Schlaganfall: neue Methode

Zwar gilt beim Schlaganfall immer noch: Je schneller behandelt wird, desto besser. Doch eine neue Kathetertechnik verschafft jetzt etwas mehr Zeit.

Ärztin mit Tablet in der Hand © iStock
(Freiburg – 28.10.2016) Die Hirnschädigung nach einem Schlaganfall nimmt nicht zwangsläufig mit der Zeit zu – das konnten Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen. Für ihre Studie werteten sie Daten von Patienten aus, die eine bis sechs Stunden zuvor einen schweren Schlaganfall erlitten hatten. Wichtiger als die verstrichene Zeit war offensichtlich eher, wie gut die betroffenen Gehirnbereiche über kleinere Arterien mit Blut versorgt wurden. Das erklärt auch, weshalb mit einer mechanischen Entfernung des Blutgerinnsels bis zu sechs Stunden und im Einzelfall auch deutlich länger gute Behandlungserfolge erzielt werden.  

Die bisherige Formel „Time is brain“ oder „Je schneller, desto besser“ gilt zwar in der Akutphase eines Schlaganfalls weiterhin, ist bei einer minimalinvasiven Behandlung aber nicht allein ausschlaggebend: „Bei einem Großteil der Betroffenen kann der Zustand bis zu zwölf Stunden konstant bleiben. In dieser Zeit ist es notfalls auch möglich, die Patienten in ein entsprechend ausgestattetes Zentrum zu verlegen, um den Schlaganfall minimalinvasiv zu behandeln“, sagt Prof. Dr. Horst Urbach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg.

Gerinnsel wird durch Thrombektomie entfernt

Bei dem als Thrombektomie bezeichneten Verfahren wird ein Katheter in die Leistenarterie eingeführt und bis zum arteriellen Verschluss im Gehirn vorgeschoben. In den Katheter wird dann ein Röhrchen (Stent) eingebracht, das sich bei Rückzug des Katheters entfaltet und das Blutgerinnsel  festklemmt. Anschließend werden Katheter, Stent und mit ihnen das Blutgerinnsel herausgezogen. „Für den Erfolg einer Thrombektomie ist weniger die vergangene Zeit von Bedeutung, sondern vielmehr, wie die Blutzirkulation im Gehirn aussieht“, so der Experte. Anhand modernster bildgebender Verfahren können erfahrene Ärzte feststellen, wie hoch die Chancen für einen erfolgreichen Eingriff stehen.

Bessere Heilungschancen

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten über Durchblutung und Aktivität des Gehirns von 155 Patienten aus, bei denen eine Hals- oder Hirnschlagader verstopft war und das Gehirn nur durch kleine Nebenarterien – sogenannte Kollateralen – mit etwas Blut versorgt wurde. „Bei diesen Patienten mit Verschlüssen der großen Hirnarterien konnten wir in den vergangenen Jahren dank Thrombektomie die Heilungschancen von 30 Prozent auf 60 Prozent im Vergleich zur medikamentösen Therapie verdoppeln“, sagt Prof. Urbach.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.10.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg: Schlaganfall-Therapie: Zeitfenster für neue Kathetertechnik oft größer als gedacht
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