Guter Schlaf schützt Hirn

Wer gut schläft, hat auch gute Chancen im Alter gesund und geistig fit zu bleiben. Schlechter Schlaf fördert dagegen Alzheimer und Parkinson.

Frau schläft © iStock
(Berlin – 10.10.2016) Der Mensch verschläft rund ein Drittel seines Lebens. „Guter Schlaf erhöht die Chancen, bis ins hohe Alter geistig fit und gesund zu bleiben“, sagt der Neurologe und Schlafmediziner Prof. Geert Mayer von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Denn: Schlaf kann das Gehirn vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson schützen. „Schlafstörungen und neurologische Erkrankungen hängen oft eng zusammen“, so der Experte. Wenn man Auffälligkeiten im Schlaf wahr- und ernst nehme, lasse sich manchmal sogar ein Schlaganfall verhindern.

Schlaf ist wie ein Spülprogramm für das Gehirn

Ausreichend erholsamer Schlaf ist für den Menschen überlebenswichtig. Während der Körper ruht, regenerieren die Muskeln, speichert das Gehirn Gelerntes ab und das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren, um Krankheiten abzuwehren. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass guter Schlaf auch vor neurologischen Altersleiden wie Parkinson schützen kann. „Schlaf ist für das Gehirn wie ein Spülprogramm, denn im Schlaf werden Abbaustoffe ausgewaschen“, erklärt Mayer. „Fehlt die Nachtruhe, kann sich in den Nervenzellen Abfall des Gehirnstoffwechsels anhäufen und Schaden anrichten.“  

Eine mögliche Folge von Schlafmangel ist zum Beispiel, dass fehlerhaft gefaltetes Alpha-Synuklein nicht ausreichend aus dem Zentralnervensystem entfernt wird. Das Eiweiß wird als Ursache der Parkinson-Krankheit diskutiert. Es lagert sich typischerweise im Gehirn der Erkrankten ab, wo es in den Nervenzellen sogenannte Lewy-Körperchen bildet. Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto mehr dieser schädlichen Ablagerungen entstehen im Gehirn. „Abbaustoffe wie Tau-Proteine oder Beta-Amyloid, die typisch für Alzheimer sind, werden ebenfalls vorwiegend im Schlaf aus dem Gehirn gewaschen“, sagt der Experte.

Diagnose im Schlaflabor

Schlaf kennt viele Varianten des Normalen: Während Babys noch den halben Tag verschlafen, kommen Erwachsene oft mit wenigen Stunden Schlaf aus. Viele Menschen – vor allem ältere – wünschen sich mehr erholsame Nachtruhe. „Nicht jeder, der das Gefühl hat, schlecht zu schlafen, leidet unter einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung“, erklärt der Schlafmediziner. „Aber Tagesschläfrigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen, die länger als drei Monate anhalten, sehr unruhiger Schlaf, Atemaussetzer und andere auffällige motorische Phänomene im Schlaf sollten im Schlaflabor abgeklärt werden.“ Bei entsprechenden Symptomen kann der Hausarzt oder der behandelnde Neurologe den Patienten in ein neurologisches Schlaflabor überweisen. Für eine exakte Diagnose wird der Patient dort verkabelt, um Vitalfunktionen zu kontrollieren, es wird ein EEG aufgezeichnet und der Schlaf via Videokamera überwacht.

Möglicher Vorbote von Parkinson

Eine Störung, die im Schlaflabor aufgedeckt werden kann, ist die REM-Schlafverhaltensstörung (REM sleep behavior disorder, kurz RBD). Im Traumschlaf ist die Muskulatur normalerweise inaktiv. Patienten mit RBD sind in dieser Schlafphase dagegen auffällig in Bewegung. „Betroffen sind vorwiegend Männer über sechzig mit kardiovaskulären Erkrankungen. Sie haben aggressive Träume und schlagen und treten um sich, wobei sie nicht selten sich selbst oder ihre Bettpartner verletzen“, erklärt der Neurologe und ergänzt: „Wir wissen, dass etwa 90 Prozent der Betroffenen innerhalb weniger Jahre eine Parkinson-Erkrankung entwickeln.“  

Auch bei REM-Schlafstörungen sind Ablagerungen von Alpha-Synuklein nachweisbar. Sie stehen derzeit im Fokus der Forschung, da diese Patienten für eine Frühbehandlung von Parkinson infrage kommen.

Atemaussetzer erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall

Der Zusammenhang zwischen Schlaf und einer anderen neurologischen Erkrankung ist seit einigen Jahren bekannt: Wenn die Atmung im Schlaf unbewusst aussetzt, steigt das Risiko für einen Schlaganfall. „Mit einer gezielten Behandlung können wir das Schlaganfallrisiko und das langfristige kardiovaskuläre und Mortalitätsrisiko wirksam senken“, so Mayer. Deshalb ist es wichtig, schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS) frühzeitig zu erkennen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.10.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Guter Schlaf schützt das Gehirn – schlechter Schlaf fördert Alzheimer und Parkinson
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