Sozialleben nach Schlaganfall

Laut einer Studie verlieren Überlebende eines Schlaganfalls den Kontakt zu Freunden und ihrem sozialen Umfeld. Woran das hauptsächlich liegt.

Alte Frau nachdenklich © Thinkstock
(London – 01.09.2016) Wissenschaftler der City University London haben herausgefunden, dass sich ein Schlaganfall negativ auf das soziale Netzwerk des Patienten auswirken kann. Zwar blieb der Kontakt zu den Kindern und Verwandten ziemlich stabil, allerdings berichteten viele Überlebende eines Schlaganfalls, dass sich die Anzahl der Freunde, die sie sahen, signifikant reduzierte. Vor dem Schlaganfall sagten 14 Prozent, dass sie einen oder keinen Freund haben, sechs Monate nach einem Schlaganfall stieg diese Zahl auf 36 Prozent, wobei 20 Prozent angaben, gar keinen engen Freund zu haben. Viele Teilnehmer der Studie waren mit ihren sozialen Beziehungen nach dem Schlaganfall weniger zufrieden – das soziale Netzwerk von 63 Prozent war negativ betroffen.

Vor allem Aphasie erschwert die Pflege sozialer Beziehungen

Um mehr darüber herauszufinden, wie sich ein Schlaganfall auf die sozialen Netzwerke auswirkt, befasste sich das Team der City University mit 87 Überlebenden von zwei Schlaganfallstationen in London. Sie führten mit den Teilnehmern zwei Wochen, drei Monate und sechs Monate nach dem Schlaganfall eine Befragung durch und analysierten dabei Kriterien wie soziale Beziehungen einschließlich der Frequenz der Kontakte zu Freunden sowie Verwandten und der Zufriedenheit bezüglich dieser Kontakte.  

Ein Faktor, der das Risiko für einen Kontaktverlust zum sozialen Netzwerk besonders erhöht, ist die Aphasie – eine Sprachbehinderung, die sich auf das Reden, Verstehen, Schreiben oder Lesen auswirken kann. Bei etwa 15 Prozent der Überlebenden eines Schlaganfalls ist die Aphasie ein Zustand, der ein Leben lang anhält und Grund für viel Frustration ist. Neuste Forschungen weisen darauf hin, dass dies die Fähigkeit des Betroffenen, zufriedenstellende soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten, erschweren kann – sogar mehr als die Schwere des Schlaganfalls oder die körperliche Einschränkung.


Die Überlebenden eines Schlaganfalls, die nach sechs Monaten die besten sozialen Netzwerke hatten, waren diejenigen, die keine Sprachstörungen aufwiesen, in der Lage waren, ihren Alltag zu bewältigen (zum Beispiel einzukaufen und zu kochen), und sich selbst in guten Händen fühlten.

Unterstützung des Umfelds ist wichtig

„Unsere Studie zeigte, dass viele Überlebende eines Schlaganfalls angeben, dass ihr soziales Netzwerk stark betroffen ist. Schlaganfallpatienten mit Aphasie sind besonders gefährdet, den Kontakt mit Freunden und dem sozialen Umfeld zu verlieren“, so Dr. Sarah Northcott, Forscherin an der School of Health Sciences der City University London. „Wir wissen, dass die Unterstützung des Umfelds wichtig ist, damit Betroffene lernen, sich mit dem Leben nach dem Schlaganfall zu arrangieren. Allgemein müssen wir als Gesellschaft darüber nachdenken, wie verhindert werden kann, dass Menschen mit Schlaganfall und Aphasie sozial isoliert werden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.09.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Cass Bussiness School der City University London: Überlebende eines Schlaganfalls verlieren laut einer Studie den Kontakt zu Freunden und zu ihrem sozialen Umfeld
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