TIA ist ein Notfall

Experten raten: Auch ein „Mini-Schlaganfall“ (TIA) sollte auf einer Stroke Unit, einer Spezialstation für Schlaganfälle, behandelt werden.

Seniorin hält sich den Kopf © Thinkstock
(Berlin – 10.05.2016) Eine vorübergehende Lähmung, Sprach- oder Sehstörung, die sogenannte transitorische ischämische Attacke (TIA), ist möglicher Vorbote eines großen Schlaganfalls. Eine schnelle Betreuung, klare Diagnose und Behandlung auf einer Stroke Unit können dann einen Schlaganfall häufig verhindern, wie die Auswertung eines internationalen TIA-Registers zeigt. Zum heutigen Tag gegen den Schlaganfall betont die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), wie wichtig das Erkennen der TIA-Symptome und rasches Handeln sind.

Bei 20 Prozent der Patienten folgt auf eine TIA ein Schlaganfall

Von den jährlich etwa 270.000 Schlaganfällen ist etwa ein Viertel leicht, die Symptome sind flüchtig und die Patienten erholen sich innerhalb von 24 Stunden vollständig von den neurologischen Ausfällen. Die Gefahr ist damit jedoch nicht vorüber. „Etwa 20 Prozent der Betroffenen erleiden innerhalb der nächsten drei Monate einen großen Schlaganfall, der zu bleibenden Behinderungen oder häufig zum Tod führt“, sagt Prof. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Klinik der Asklepios Klinik Altona. Denn: Die TIA und der Schlaganfall haben die gleichen Ursachen, die nach dem Abklingen der Symptome weiter bestehen. „Ein Schlaganfall ist jedoch kein unabwendbares Schicksal und eine TIA sollte immer Anlass sein, nach den Gründen zu suchen, um diese abzustellen“, so Röther.

Auch TIA-Patienten auf der Stroke Unit behandeln

Die Symptomatik wird aber in bis zu einem Viertel der Fälle durch den erstbehandelnden Arzt nicht als TIA erkannt. Damit steigt das Risiko für den Patienten, einen schweren Schlaganfall zu erleiden. Der beste Ort für die Behandlungen sind Stroke Units – Spezialabteilungen zur Behandlung von Schlaganfällen – die in den vergangenen Jahren von vielen Kliniken eingerichtet wurden. An diesen Abteilungen werden nicht nur Schlaganfälle behandelt, die Ärzte sind auch darauf vorbereitet, die Ursachen, die zur TIA geführt haben, zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten. „In den ersten Tagen nach einer TIA ist das Risiko eines Schlaganfalls mit bleibenden Folgen besonders hoch, sodass die Patienten auf der Stroke Unit besonders intensiv ‚monitorisiert‘, also beobachtet werden müssen“, sagt Prof. Dr. Otto Busse von der DSG.  

„Wir führen bei allen Patienten eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie durch, um das Ausmaß der Schäden zu beurteilen“, erklärt Röther. „Eine Ultraschalluntersuchung zeigt, ob gefährliche Engstellen an den Halsgefäßen, sogenannte Carotisstenosen, vorhanden sind. Zum Check-Up gehört neben Blutdruckmessung und Analyse der Blutfette sowie des Blutzuckers auch regelmäßig ein Langzeit-EKG, da ein Vorhofflimmern zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führt, die ins Gehirn driften und dann einen Schlaganfall auslösen können. In einer Ultraschalluntersuchung des Herzens werden diese Gerinnsel gelegentlich sichtbar.“ Danach entscheiden die Ärzte, welche Therapie der Patient zur Vorbeugung erhalten soll – beispielsweise Medikamente zur Blutverdünnung.

Intensive Betreuung zeigt Erfolg

Wie erfolgreich eine intensive Betreuung der Betroffenen sein kann, zeigen die Ergebnisse eines internationalen TIA-Registers unter deutscher Beteiligung. „Fast 80 Prozent der Patienten waren innerhalb von 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome von Schlaganfall-Neurologen diagnostiziert und behandelt worden“, sagt Röther. „Im Fall eines Vorhofflimmerns erhielten die Patienten gerinnungshemmende Medikamente. Carotisstenosen wurden je nach Schweregrad behandelt und ein zu hoher Bluthochdruck gesenkt.“ In den ersten drei Monaten nach der TIA erlitten nur 3,7 Prozent der Patienten einen Schlaganfall – deutlich weniger als aufgrund des Schweregrades der Erkrankung zu erwarten gewesen wäre. Nach einem Jahr waren es 5,1 Prozent. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass eine rechtzeitige und intensive Therapie von Patienten nach einer TIA das Risiko für einen nachfolgenden großen Schlaganfall innerhalb von 90 Tagen um bis zu 80 Prozent senken kann. „Diese erfreuliche Verringerung des Schlaganfallrisikos bei rascher Abklärung und Behandlung einer TIA trifft auch auf Deutschland zu“, bestätigt der Experte.

Bei TIA-Symptomen sofort den Notruf wählen

„Das Stroke-Unit-Konzept, das wir vor bald 20 Jahren entwickelt haben, hat in Deutschland zu einer sehr guten Versorgungssituation beigetragen“, so Busse. Wichtig sei es aber, die Symptome des leichten Schlaganfalls zu erkennen und sofort zu handeln. „Wenn beispielsweise ein Auge kurzzeitig erblindet, eine Sprachstörung auftritt oder ein Arm, Bein oder eine Gesichtshälfte gelähmt sind, muss umgehend der Notruf 112 gewählt werden.“ Der kleine Schlaganfall ist alles andere als harmlos. Er ist ein echter Notfall und muss dementsprechend sofort behandelt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.05.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Tag gegen den Schlaganfall: Auch der „Mini-Schlaganfall“ ist ein Notfall und muss auf der Stroke Unit behandelt werden
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