Musikalische Hilfe

Ständige Lärmbelastung kann zu einem Tinnitus führen, der die Lebensqualität einschränkt. Betroffenen kann dann eine spezielle Musiktherapie helfen.

Frau hat Ohrenschmerzen © Thinkstock
(Münster – 27.04.2016) Ob laute Musik über In-Ohr-Kopfhörer oder eine laute Geräuschkulisse am Arbeitsplatz: Lärm ist ein ständiger Begleiter. Beinahe überall sind wir einer konstanten Lärmbelastung ausgesetzt – teilweise bis zu 100 Dezibel. „Das ist eine immense Belastung für das Ohr“, sagt Prof. Dr. Christo Pantev, Direktor des Instituts für Biomagnetismus und Biosignalanalyse an der Medizinischen Fakultät Münster. Gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Rudack, Direktorin der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Münster, forscht er seit Langem über die Gefahren konstanter Lärmbelastung, die Motto des heutigen weltweiten Tags gegen Lärm sind.

Folgen von Lärm: von Unkonzentriertheit bis Tinnitus

Die Folgen von Lärm können von Unkonzentriertheit und erhöhtem Stressempfinden bis zum belastenden Tinnitus (Ohrensausen) reichen. Letzterer beginnt im Innenohr und führt erst zu einer partiellen Hörminderung, die durch das Gehirn ausgeglichen wird. „Mit der Zeit kommt es zu einer komplett unabhängig vom Ohr gesteuerten Schallempfindung“, erklärt Pantev. „Die hyperaktiven Neuronen im Gehirn senden permanent Signale, die nur die Betroffenen hören können.“ Für sie stellt die Tinnitus-Wahrnehmung eine enorme Einschränkung ihrer Lebensqualität dar. Um diesen Menschen zu helfen, entwickelten die Wissenschaftler in Münster eine elektrophysiologische Musiktherapie.

Linderung durch Musik

Auf der Basis von neurowissenschaftlichen Studien mit über 250 Teilnehmern fanden die Forscher eine positiv-lindernde Wirkung des sogenannten physiologischen Effekts der seitlichen Hemmung heraus. „Wir setzen quasi eine Kerbe im Musikspektrum rund um die Frequenz des Tinnitus und passen so die Musik individuell an“, erklärt der Wissenschaftler. Durch das Auslassen der jeweiligen Frequenzen im Musikspektrum werden die für den Tinnitus verantwortlichen Neuronen nicht weiter gereizt. Durch die Mobilisierung der Nachbarneuronen kann der Tinnitus dauerhaft gelindert werden.  

Im Laufe der Studien konnte die durchschnittliche Tinnituslautheit um etwa 25 Prozent reduziert werden. Momentan entwickeln die Forscher eine App, mit der Betroffene zuerst ihre Tinnitusfrequenz zuverlässig bestimmen und dementsprechend ihre Lieblingsmusik individuell anpassen können. So kann eine ausreichend lange Nutzung zu einer nachhaltigen Minderung führen. Die App wird voraussichtlich in diesem Sommer erhältlich sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.04.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Münster: Tinnitus durch Lärm: Wenn es rauscht im Ohr
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