Taubheit und Kribbeln

Sind Fingerkuppen taub und kribbeln, kann das auf das sogenannte Karpaltunnelsyndrom hindeuten. Was die Schmerzen lindert und wie Sie vorbeugen können.

Frau hält sich die Hand © Thinkstock
(Krefeld – 11.04.2016) Gefühlsstörungen in den Fingern und von der Hand ausstrahlende Schmerzen, die sich manchmal über den Oberarm bis zur Schulter ziehen, können Anfangssymptome des sogenannten Karpaltunnelsyndroms (KTS) sein. Das Syndrom wird durch eine Kompression des Medianus-Nervs am Handgelenk verursacht.

„Häufig setzen Taubheitsgefühle und Kribbeln zunächst an den Kuppen der ersten drei Finger einer Hand ein – also Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Mit der Zeit kommen leichte Schmerzen hinzu, die insbesondere nachts oder nach intensiver Handarbeit auftreten. Betroffene neigen dann oft instinktiv dazu, die Beschwerden durch Schütteln der Hand lösen zu wollen“, sagt Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN). Auch eine Muskelschwäche der Hand mit Steifheit der Finger kann ein Anzeichen für das Syndrom sein.

Verlauf der Erkrankung

Im weiteren Verlauf der Erkrankung können sich ausgeprägte Schmerzen entwickeln, die von der Hand in den Unterarm bis in die Schulter- und Nackengegend ziehen. Besteht das Karpaltunnelsyndrom über mehrere Jahre, können die betroffenen Finger taub werden und es kommt zu einer Schwächung der Daumenmuskulatur. „Mit dem Fortschreiten der Erkrankung bildet sich die Daumenballenmuskulatur sichtbar zurück und die Greifkraft des Daumens lässt deutlich nach. Auch die Schmerzen können nachlassen, was jedoch auf eine starke Schädigung der Nervenfasern hinweisen kann“, warnt der Neurologe. „Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, stehen die Chancen auf Heilung ohne Folgeschäden aber sehr gut. Daher ist es wichtig und ratsam, dass Betroffene bei beginnenden Beschwerden einen Neurologen aufsuchen.“

Fehlhaltung und Überbelastung sind häufige Ursachen

Das Karpaltunnelsyndrom ist die am häufigsten vorkommende Nerveneinengung an der Hand. Es wird durch eine Kompression des Medianus-Nervs verursacht, der in der Höhe der Handwurzel zusammen mit Sehen durch den Karpalkanal verläuft. „Eingeengt und geschädigt wird der Nerv durch beständige Druckbelastung durch das Umgebungsgewebe der Handwurzel und deren Band. Meist sind eine Fehlhaltung und eine gleichzeitige Überlastung des Handgelenks die Ursache für die Verengung“, erklärt Dr. Beil.

Daneben können auch hormonelle Ursachen (etwa Schwangerschaft oder Wechseljahren), Stoffwechselerkrankungen, knöcherne Verformungen sowie rheumatische Erkrankungen das Syndrom begünstigen. Auch eine Verletzung an der Hand oder ein Handgelenksbruch können ein Karpaltunnelsyndrom begünstigen.

Diagnostik und Behandlung des Kapaltunnelsyndroms

Die Diagnose ist in den meisten Fällen gut zu stellen, da die Symptome oft typisch sind. Ausgeschlossen werden muss, dass die Beschwerden von einer Schädigung der Halswirbelsäule ausgehen. Eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann Aufschluss über das Ausmaß der Schädigung geben.

„Im Frühstadium kann eine Ruhigstellung des Handgelenks mithilfe einer Schiene ausreichend sein. Gegebenenfalls kann zusätzlich eine entzündungshemmende und schmerzstillende Behandlung durchgeführt werden“, so der Experte. Auch die Einnahme von Kortison kann in manchen Fällen gute Erfolge bringen. Bleiben die Beschwerden weiterhin über Wochen bestehen, kann eine Operation notwendig sein, die allerdings wenige Risiken birgt.

Dem Syndrom vorbeugen

Menschen, die viel am Computer arbeiten, und Sportler mit einseitigen Bewegungsabläufen sind besonders gefährdet, ein Karpaltunnel-Syndrom zu entwickeln. Sie können der Erkrankung vorbeugen, indem sie Pausen machen, chronische Fehlbelastung beheben und Handgelenkschoner tragen. Bei der Computerarbeit ist es ratsam, eine ergonomisch geformte Tastatur und eine Maus, deren Maße zur Größe der Hand passen und die flüssig zu bewegen ist, zu benutzen. Gut sind auch regelmäßige Übungen, die die Handgelenke kräftigen und lockern – etwa die Hand zur Faust ballen sowie die Finger spreizen und ausschütteln.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.04.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Neurologen (www.neurologen-im-netz.org): Taubheit und Kribbeln in den Fingerkuppen können Anzeichen für Karpaltunnel-Syndrom sein
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