Schwindel durch Angst

Schwindel kann viele verschiedene Ursachen haben – eine davon sind Angststörungen. Welche Therapiemöglichkeiten es dann gibt.

Einer Frau ist schwindelig © Thinkstock
(Krefeld – 17.02.2016) Schwindel – medizinisch Vertigo genannt – ist keine Krankheit, sondern ein Symptom mit vielfältigen Ursachen. Wiederkehrende Schwindelattacken können organische Ursachen haben, treten aber nicht selten auch im Rahmen von Angststörung auf. „Der Angstschwindel ist ein eher diffuser Schwindel. Betroffene erleben ihn häufig als Benommenheit, als Unsicherheit auf den Beinen und mangelnde Standfestigkeit – wie wenn man den Kontakt zum Boden verloren hätte. In vielen Fällen ist eine Schwindelattacke mit Unruhe und manchmal auch mit Übelkeit verbunden. Bei normalem Gehen fühlt es sich an, als ob man betrunken schwanken würde“, erklärt Frank Bergmann vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). 

„Solche phobischen Schwindelattacken können aus heiterem Himmel auftreten oder in typischen Situationen, die auch als Auslöser anderer phobischer Syndrome bekannt sind – etwa auf Brücken, beim Autofahren, in leeren Räume oder bei Menschenansammlungen im Kaufhaus oder Restaurant. Veränderungen der Körperhaltung beeinflussen diese Schwindelform kaum“, so der Experte. Die zum Schwindel führenden Sinnesreize oder Situationen können rasch konditionieren und sich auf viele Lebensbereiche ausdehnen.

Angstschwindel wird oft erst spät erkannt

Patienten mit phobischem Attackenschwindel erleben solche Anfälle als überaus bedrohliche Situation. Sie fühlen sich krank und beschreiben den Schwindel oft als Auslöser der Angst – obwohl es eigentlich umgekehrt ist. In vielen Fällen werden über lange Zeit körperliche Ursachen vermutet – etwa Erkrankungen der Halswirbelsäule, Durchblutungsstörungen oder Herz-Kreislauf-Probleme – und die eigentliche Ursache bleibt lange Zeit unerkannt.

„Der Ausschluss organisch bedingter Ursachen für Schwindel ist natürlich zunächst wichtig. Patienten mit phobischem Schwindel leiden jedoch unter keiner körperlich bedingten Störung der Gleichgewichtsreaktion. Sie reagieren vielmehr psychisch bedingt übersensibel auf normale kurzzeitige Gleichgewichtsstörungen oder auf unbewusst ablaufende Korrekturen des Gleichgewichts“, erklärt Bergmann.

Schwindel ist eine Erkrankung, die in mehrere Fachgebiete fällt. Betroffene müssen daher manchmal unterschiedliche Ärzte wie den Hausarzt einen HNO-Arzt oder einen Neurologen aufsuchen. Können keine organischen Ursachen ausgemacht werden, sind Nervenärzte oder Psychiater die richtigen Ansprechpartner für psychogene Schwindelformen.

Angstschwindel lässt sich gut therapieren

Bereits die Diagnosestellung und Aufklärung der Betroffenen haben einen therapeutischen Effekt. In der weiteren Behandlung haben sich verhaltenstherapeutische Therapien bewährt – gegebenenfalls können auch Medikamente wie Antidepressiva hilfreich sein. „Eine große Rolle spielt die psychoedukative Aufklärung der Patienten. Im Bemühen um eine willentliche Kontrolle des Gleichgewichts neigen Betroffene zu einer intensiven Selbstwahrnehmung und Selbstbeobachtung. Diese Selbstbeobachtungsspirale kann den Schwindel aufrechterhalten und verstärken“, sagt der Experte. „Ein wichtiger Teil der Behandlung ist zudem die Psychotherapie, bei der nach den Ursachen und Auslösern der Schwindelsymptomatik gesucht und an der Lösung der dabei beteiligten inneren und äußeren Konflikte gearbeitet wird.“ Auch Krankengymnastik und Entspannungstrainings sind hilfreich, um die Wiederherstellung eines körperlichen und psychischen Gleichgewichts zu erlangen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.02.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de): Schwindelzustände können durch Angst verursacht sein
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