Psyche verstärkt Symptome

Forscher haben herausgefunden: Depressionen verstärken die Symptome bei Vorhofflimmern – einer der häufigsten Herzrhythmusstörungen.

Mann mit Depressionen © Thinkstock
(Münster – 08.12.2015) Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Die meisten Vorhofflimmerpatienten spüren typische Symptome wie Herzrasen, Luftnot oder Schwindel. Zusätzlich leiden viele der Betroffenen auch unter Depressionen, Schlafstörungen und anhaltender Müdigkeit.  

Depressionen und Ängste wirken sich negativ auf den Verlauf von Krankheiten aus. Dies ist vielfach belegt. Bei Vorhofflimmern wurden diese Zusammenhänge bisher allerdings wenig erforscht. Forscher des Helmholtz Zentrums München haben die seelische Gesundheit von über 500 Patienten mit Vorhofflimmern in Deutschland im Rahmen von zwei klinischen Studien des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET) untersucht.

Depressionen verstärken auch die körperlichen Beschwerden

„Kardiologen machen ihre Entscheidung für eine mehr oder weniger aggressive Therapie normalerweise davon abhängig, wie stark das Vorhofflimmern den Patienten belastet. Dabei sollten allerdings nicht nur körperliche Symptome, sondern auch die psychische Verfassung und Lebensqualität des Patienten berücksichtigt werden“, erklärt Prof. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München. Denn die Forscher haben herausgefunden: Depressive Stimmungen beeinträchtigen nicht nur das psychische Wohlbefinden, sondern verstärken auch die körperlichen Beschwerden. Symptome wie Unruhe, Übelkeit oder Kurzatmigkeit werden von den Betroffenen schwerwiegender empfunden als von Vorhofflimmerpatienten ohne Depression. Diese Ergebnisse belegen, dass die Lebensqualität ein wichtiges Entscheidungskriterium für Therapieoptionen sein sollte.  

Arzt und Patient beurteilen die psychische Verfassung des Patienten oft unterschiedlich, wie die Forscher herausgefunden haben. Depression, Schlafstörung und geringe körperliche Aktivität werden von Ärzten weniger gravierend eingeschätzt als von den Betroffenen selbst. Deshalb empfiehlt Prof. Ladwig: „Ärzte sollten geschult werden, damit sie Depressionen bei ihren Patienten besser erkennen. Außerdem wäre ein gezieltes Depressions-Screening in Kliniken und Praxen, die Vorhofflimmern behandeln, notwendig.“ Weitere Studien sollen erforschen, ob solche Maßnahmen den Gesundheitszustand der Vorhofflimmerpatienten verbessern können.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.12.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET): Depressionen verstärken Symptome von Vorhofflimmern
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