Therapie bei Depression

Viele Depressive fragen sich: Was wirkt besser, Antidepressiva oder eine Psychotherapie? Eine Meta-Studie liefert Antworten.

Frau ist deprimiert © Thinkstock
(Leipzig – 10.11.2015) Viele an Depression erkrankte Menschen fragen sich, ob Antidepressiva und/oder Psychotherapie die richtige Behandlung für sie sind. Um herauszufinden, ob eines der beiden Behandlungsverfahren größere Vorteile bietet, werteten nun Prof. Pim Cuijpers (Department of Clinical Psychology, VU University Amsterdam) und Prof. Dr. Ulrich Hegerl (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Leipzig) 35 Studien zu diesem Thema aus. Fazit der Meta-Studie: Antidepressiva zeigen einen kleinen, aber statistisch signifikanten Vorteil gegenüber der Psychotherapie.

Methodische Probleme in bisherigen Studien

Die Meta-Studie berücksichtigt erstmals methodische Probleme, die zu einer Unterschätzung der Wirksamkeit von Antidepressiva und einer Überschätzung der Wirksamkeit der Psychotherapie führen. So wird die Wirksamkeit von Antidepressiva meist im Vergleich mit einem Placebo, also einem Scheinmedikament untersucht. Die Studienteilnehmer werden zufällig einer der beiden Behandlungen zugewiesen und wissen dann nicht, ob sie ein Antidepressivum oder nur ein Placebo erhalten.  

Bei Studien zur Wirksamkeit einer Psychotherapie wissen die Patienten dagegen genau, ob sie eine als wirksam angesehene Behandlung erhalten oder nur in der Kontrollgruppe sind. Als Kontrollbedingung werden zum Beispiel Selbsthilfeansätze, Wartegruppen oder Entspannungsübungen verwendet. Dies führt dazu, dass die Patienten in der Psychotherapiegruppe guten Grund zur Hoffnung haben. Patienten, die feststellen, dass sie nur in der Kontrollgruppe sind, reagieren dagegen mit Frustration und verstärkter Hoffnungslosigkeit. Dies führt dazu, dass die Psychotherapie in derartigen Studien besonders gut abschneidet.

Direkter Vergleich: Antidepressiva versus Psychotherapie

Die Meta-Studie hat nun Studien betrachtet, in denen die Patienten zufällig entweder einer Behandlung mit Psychotherapie oder mit Antidepressiva zugeordnet wurden. In diesen Studien konnten sich auch die Patienten mit Antidepressiva darauf verlassen, jeweils eine als wirksam angesehene Behandlung zu erhalten, da Studien mit Placebokontrollen nicht berücksichtigt wurden. Beide Behandlungswege wurden damit unter den gleichen Rahmenbedingungen untersucht. Im Ergebnis waren Antidepressiva wirksamer als die Psychotherapie.

Verschiedene Faktoren bestimmen die Behandlungsmethode

„Die Ergebnisse der Studie stellen nicht die Wirksamkeit der Psychotherapie infrage, sollten jedoch bei der Entscheidung für eine Behandlungsform berücksichtigt werden“, schätzt Prof. Ulrich Hegerl die Ergebnisse der Studie ein. Bei der Auswahl der richtigen Behandlung müssen zudem die Schwere der Depression, persönliche Präferenzen für die eine oder andere Behandlung, Verfügbarkeit von Therapieplätzen, Nebenwirkungen beider Therapieformen und die individuelle psychosoziale Situation berücksichtigt werden. Bei einigen Erkrankten ist auch eine Kombination von Pharmako- und Psychotherapie die optimale Behandlung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.11.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe: Meta-Studie zeigt: Antidepressiva sind wirksamer als Psychotherapie
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