Autofahren mit Parkinson

Parkinson führt zu Beeinträchtigungen, die das Autofahren gefährlich machen können. Doch wer darf noch ein Fahrzeug steuern, wer nicht?

Älterer Mann fährt Cabrio © Thinkstock
(Berlin – 30.07.2015) Das Autofahren ist für viele Menschen mit Morbus Parkinson ein wichtiges Stück ihrer Unabhängigkeit. Allerdings führt die Erkrankung zu körperlichen, psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen, die das Autofahren gefährlich machen können – für sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Wer darf also noch fahren, wer nicht mehr?  

Erster Ansprechpartner ist immer der behandelnde Arzt. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hin. „Über die Fahreignung wird immer im Einzelfall entschieden. Es gibt keine allgemein gültigen Richtlinien“, sagt Privatdozent Dr. Carsten Buhmann, Ärztlicher Leiter des Bereichs Neurologie am Ambulanzzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Bestimmte Symptome verhindern sicheres Autofahren

Bei Menschen mit Morbus Parkinson sterben im Gehirn langsam jene Nervenzellen ab, die den Neurotransmitter Dopamin produzieren. In der Substantia nigra – der schwarzen Substanz im Mittelhirn – kommt es zu einem Mangel des Botenstoffs Dopamin. Die Folgen sind verschiedenste körperliche und psychische Symptome. Beispiele sind schwere motorische Beeinträchtigungen wie Zittern (Tremor) oder Bewegungsstarre, Demenz, Aufmerksamkeitsstörungen, Halluzinationen oder Sehstörungen (zum Beispiel Doppelbilder). „Schon eines dieser Symptome reicht, um seine Fahreignung zu verlieren“, sagt der Experte.  

Auch die Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit können die Fahrfähigkeit einschränken. Sie machen zum Teil müde, führen zu Schlafattacken, zum Verlust der Impulskontrolle oder fördern aggressives Verhalten. Doch so einfach ist es nicht mit der Feststellung der Fahreignung, denn es gibt keinen standardisierten Test, der zuverlässige Aussagen treffen kann. „Wer zum Beispiel morgens seine Medikamente einnimmt und danach kurz müde wird, kann abends durchaus fahrtauglich sein, weil die Nebenwirkungen nach einigen Stunden abnehmen“, erklärt Buhmann.

Viele Parkinsonpatienten sind aktive Autofahrer

Mehr als 80 Prozent aller Parkinsonpatienten haben laut einer Studie einen Führerschein und 60 Prozent davon sind aktive Autofahrer. „Nicht alle davon dürften sich ans Steuer setzen“, meint Buhmann. Menschen mit Parkinson fahren generell unsicherer als Gesunde in ähnlichem Alter. Bei einer Befragung von mehr als 3.000 Parkinsonpatienten gaben 15 Prozent an, in den letzten fünf Jahren einen Unfall gehabt zu haben – elf Prozent davon waren selbst der Unfallverursacher. Parkinsonpatienten dürfen nur bei erfolgreicher Therapie oder wenn die Krankheit noch leicht verläuft selbst ein Auto führen. Dies besagen die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung der Bundesanstalt für Straßenwesen. Alle ein bis vier Jahre muss ein Arzt oder Psychologe beurteilen, ob die Fahreignung bezogen auf die Krankheit noch besteht.

Angehörige sind wichtig für die Einschätzung der Fahrtauglichkeit

Eine wichtige Rolle bei der Einschätzung der Fahrtauglichkeit spielen auch die Angehörigen. „Ihnen fällt schnell auf, wenn ihr Partner plötzlich unsicher fährt, zu nah an parkenden Autos entlang steuert, zu langsam reagiert oder eine rote Ampel erst spät erkennt – das sind Warnsignale“, sagt der Neurologe.

Eigenverantwortung der Parkinsonpatienten gefragt

Betroffene sollten unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt über die Einschränkungen beim Autofahren sprechen. „Alles andere wäre fahrlässig. Hier ist die Eigenverantwortung des Parkinsonpatienten genauso gefragt wie bei jedem anderen Menschen“, so Buhmann. Allerdings ist die Selbsteinsicht bei manchen Betroffenen begrenzt. „Bei Männern häufiger als bei Frauen“, sagt der Experte. Aus Angst vor dem Verlust ihrer Selbstständigkeit sprächen viele Patienten das Thema Autofahren gar nicht erst bei ihrem Arzt an. Umgekehrt hat der Arzt eine Aufklärungspflicht, die er auch dokumentieren muss. Tut er dies nicht, macht er sich potenziell haftbar, wenn ein Unfall passiert.  

Manchmal schätzen aber auch Neurologen ihre Patienten aufgrund ihrer Beschreibungen fahrtüchtiger ein, als sie es sind, denn mögliche Schwierigkeiten beim Steuern eines Autos sind beim Arztgespräch nicht immer offenkundig. „Das Problem ist, dass der Arzt nicht mitfährt und sich selbst kein Bild von der Fahrfähigkeit des Patienten machen kann“, so Buhmann. Auch Fahrsimulatoren können das reale Autofahren in der Stadt oder auf der Autobahn nicht exakt abbilden.

Fahrtauglichkeit in der Fahrschule oder beim TÜV prüfen lassen

Parkinsonpatienten können aber ihre Fahrtauglichkeit in Fahrschulen prüfen lassen, die speziell auf Menschen mit Handicap ausgerichtet sind. Auch der TÜV bietet solche Fahrstunden mit einem Fahrlehrer an. Über das Ergebnis der Fahrstunde herrscht Schweigepflicht. „Die Befürchtung ist, dass das Dokument in der Schublade landet, wenn das Ergebnis schlecht ist. Hier appelliere ich wiederum an die Eigenverantwortlichkeit“, sagt der Neurologe. Es gibt auch bestimmte technische Hilfsmittel, die Parkinsonpatienten das Autofahren ermöglichen – zum Beispiel ein Auto mit Automatikgetriebe. Auch breitere Bremspedale und anders angeordnete Armaturen und Sitze können die Koordination beim komplexen Vorgang Autofahren verbessern.

Besser Autofahren dank Hirnschrittmacher?

Möglicherweise kann sich auch die Tiefe Hirnstimulation (THS) positiv auf die Fahrsicherheit und die generelle Fahrtauglichkeit von Parkinsonpatienten auswirken. In einer Studie fanden Buhmann und sein Team heraus, dass Patienten mit einem Hirnschrittmacher sicherer Auto fuhren und weniger Fehler machten als Parkinsonpatienten ohne ein Implantat. Im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Gesunden fuhren die Patienten mit dem Hirnschrittmacher zwar langsamer und vorsichtiger, aber ähnlich sicher. „Die Aussicht auf besseres Autofahren ist allerdings keine Indikation für die Implantation eines Hirnschrittmachers“, betont der Neurologe.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.07.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Parkinson-Krankheit und Risiko Straßenverkehr: Wer darf noch ein Auto steuern?
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