„Eulen“ im Nachteil

Eine Studie belegt den Zusammenhang zwischen dem Chronotypen – also ob man eher ein Tag- oder Nachtmensch ist – und der akademischer Leistung.

Junge schläft auf seinen Büchern © Thinkstock
(Heidelberg/Bologna – 14.07.2015) Schüler sowie Studierende vom Abendtyp – sogenannte Eulen – sind in der Schule beziehungsweise im Studium benachteiligt. Zu diesem Ergebnis kommt die Meta-Analyse eines deutsch-italienischen Forscherteams. Publiziert wurde die Studie der Universität Bologna (Psychologie) und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Biologie) im renommierten Fachmagazin „Chronobiology International“.

Meta-Analyse von 31 Studien

Als Abendtypen oder Eulen werden Menschen bezeichnet, die ihre höchste Leistungsfähigkeit gegen Nachmittag oder Abend erreichen. Im Gegensatz dazu stehen die Frühaufsteher, die sogenannten Lerchen, die morgens problemlos aufstehen und schnell ihr Leistungshoch erreichen. Um herauszufinden, welche Auswirkungen diese unterschiedlichen Chronotyp auf akademische Leistungen haben, analysierten die Professoren Lorenzo Tonetti, Vincenzo Natale und Christoph Randler 31 Studien mit mehr als 27.000 Probanden: „Wir haben weltweit alle Studien zu dem Thema gesichtet und einer Meta- Analyse unterzogen“, erklärt Professor Randler von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Dabei zeigte sich, dass Abendtypen auf allen Kontinenten schlechtere akademische Leistungen erbringen als Frühaufsteher.

Jugendliche stärker betroffen als Studierende

Auch konnte erstmals nachgewiesen werden, dass dieser Effekt bei Jugendlichen stärker ausgeprägt ist als bei Studierenden. Die Wissenschaftler vermuten hierbei einen Zusammenhang zwischen dem verordneten Schulanfang bei Jugendlichen, während Studierende eine gewisse Freiheit bezüglich ihrer Tagesplanung haben. Sie können laut Randler eher im Einklang mit ihrem Biorhythmus lernen.  

Dazu kommt, dass Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 20 Jahren eine starke Abend- oder Nachtorientierung durchleben: „In dieser Altersgruppe sind die ‚Eulen‘ demnach klar in der Überzahl. Das ist kein Randphänomen, sondern betrifft weite Teile der Schülerschaft“, ist sich Randler sicher. Dennoch sei die Schule mit ihrem frühen Unterrichtsbeginn weiterhin auf „Lerchen“ zugeschnitten, was die „Eulen“ benachteilige: „Die Abendtypen sind genauso intelligent wie Frühaufsteher, sie müssen ihre Leistung lediglich zur ‚falschen‘ Uhrzeit abrufen.“

Schulbeginn um neun Uhr

Als eine Konsequenz ihrer Meta-Analyse fordert das internationale Forscherteam, den Schulbeginn zumindest ab der siebten Klasse auf einen späteren Zeitpunkt zu legen. „Neun Uhr, da sind sich viele Wissenschaftler einig, wäre ein guter Zeitpunkt“, so Randler.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.07.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg: „Eulen“ benachteiligt
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