Rückenschmerz und Psyche

Angst und Depressionen können Nacken- und Rückenschmerzen verursachen. Warum das so ist und was Betroffene tun können.

Frau hat Rückenschmerzen © Thinkstock
(Berlin – 16.06.2015) Menschen, die dauerhaft unter Rücken- oder Nackenschmerzen leiden und diese Beschwerden durch Routinebehandlungen nicht in den Griff bekommen, sollten auch psychische Faktoren als Ursache in Betracht ziehen. Medizinisch unklare Körperbeschwerden, die auf psychische Einflüsse zurückgehen, können vielgestaltig sein und beispielsweise Schmerzen, Probleme im Rücken oder anderen Körpersystemen verursachen. Dabei handelt es sich um sogenannte somatoforme Störungen oder psychosomatische Erkrankungen.

Depressionen und Rückenschmerzen bedingen sich oft gegenseitig

„Das Wechselspiel zwischen Psyche und Körper ist sehr komplex und sollte bei medizinischen Beschwerden immer Berücksichtigung finden. Wenn Menschen dauerhaft Stressfaktoren und psychischen Belastungen ausgesetzt sind, ohne diese bewusst wahrzunehmen oder ohne adäquat darauf zu reagieren, kann sich dies in körperlichen Symptomen äußern. So bedingen sich beispielweise Depressionen und Rückenleiden oft gegenseitig, denn Menschen, die depressive Symptome haben, sind meist empfänglicher für Schmerzen. Gleichzeitig leidet ein Großteil der chronischen Rückenschmerzpatienten zusätzlich an depressiven Symptomen“, erklärt Prof. Dr. Arno Deister von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

„Auch Angsterkrankungen gehen häufig mit Verspannungen und Verkrampfungen in der Nacken-, Schulter- und Rückenregion einher, da sie unter anderem eine erhöhte muskuläre Anspannung bei Betroffenen verursachen können. Neben dem Ausschluss einer organischen Ursache ist es deshalb wichtig, psychische Einflüsse auf ein bestimmtes Krankheitsbild zu berücksichtigen, um es behandeln zu können“, so der Experte. Psychosomatische Erkrankungen können erfolgreich behandelt werden, wobei eine möglichst frühe Therapie Leiden und einen langfristigen Verlauf verhindern kann.

Wechselspiel von Schmerz und Psyche verstärkt Beschwerden

Nicht selten wird als Reaktion auf Rückenleiden aus Angst vor den Schmerzen Bewegung vermieden. Viele Betroffene neigen dazu, aktive Bewegung einzustellen und sich zu schonen – meist die falsche Reaktion. „Bewegungsmangel und eine unnatürliche Schonhaltung führen zu neuen Verspannungen und somit zu neuen Schmerzen. Durch dieses Angst-Vermeidungsverhalten kann ein Teufelskreis entstehen und dazu führen, dass akute Schmerzen chronisch verlaufen“, sagt Deister. „Ähnlich verhält es sich bei Depressionen, denn wer Gefühle von Niedergeschlagenheit und Traurigkeit verspürt, ist empfänglicher für Schmerzen. Diese verstärken die Depression und damit auch deren typische Symptome wie Antriebslosigkeit, Pessimismus und das Gefühl ungenügender Selbstwirksamkeit, die ihrerseits wiederum Bewegungsmangel und Anspannung zur Folge haben können.“ Wenn Patienten über lange Zeit an Schmerzen leiden und keine zufriedenstellenden Behandlungserfolge haben oder ungünstige Therapieerfahrungen machen, ist das Risiko besonders hoch, einen chronischen Schmerz zu entwickeln.

Mit Bewegung und Entspannung gegen die Rückenschmerzen

Um psychosomatisch bedingte Rückenschmerzen zu verhindern oder zu beheben, sind Bewegung und Entspannung hilfreich. Mehr körperliche Aktivität im Alltag – idealerweise in der Natur – und Strategien zur Stressbewältigung wie progressive Muskelentspannung können dazu beitragen, Ängste- und Anspannungen abzubauen, eine Kräftigung der Muskulatur zu bewirken und die Stimmung aufzuhellen.

Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Führen entsprechende Umstellungen der Lebensgewohnheiten jedoch nicht zum Erfolg, sollten Betroffene möglichst bald professionelle Hilfe durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beziehungsweise Psychosomatik in Anspruch nehmen. „Psychosomatische Störungen und Erkrankungen sind gut behandelbar. Im Zentrum stehen dabei psychotherapeutische Maßnahmen, die durch Körper-, Bewegungs-, Kunst- und Sozialtherapie ergänzt werden. Wichtig ist, gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten, wie die Zusammenhänge zwischen psychischem und körperlichem Erleben sind und wie man diese verändern kann“, erklärt der Experte. Die Behandlung erfolgt meistens ambulant, kann in schweren Fällen aber auch tagesklinisch oder stationär durchgeführt werden. In manchen Fällen können vorübergehend auch Medikamente notwendig sein, um die Behandlung von Ängsten, Schmerzsyndromen oder Depressionen zu unterstützen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.06.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (www.psychiater-im-netz.org) : Angst und depressive Symptome können anhaltende Rückenschmerzen verursachen
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