Psychische Traumata

Einige Menschen leiden infolge traumatischer Erlebnisse unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Oft wird diese aber unzureichend behandelt.

depressive Frau © Thinkstock
(Berlin – 08.05.2015) Mehr als die Hälfte aller Menschen sind im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert. In vielen Fällen sind schwere psychische Erkrankungen die Folge. Doch trotz außerordentlich wirksamer Behandlungsmöglichkeiten werden Betroffene in Deutschland heute noch nicht ausreichend versorgt.

Häufiger Frauen und ältere Menschen betroffen

Traumafolgestörungen können uns alle treffen, auch Kinder. In Deutschland sind pro Jahr rund 1,5 Millionen Erwachsene von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) betroffen. Frauen erkranken dabei häufiger als Männer, ältere Menschen tendenziell eher als jüngere. Nach einer Vergewaltigung, einem Gewaltverbrechen oder Folter liegt die Erkrankungsrate bei bis zu 90 Prozent.  

Besonders gefährdet sind Menschen, die immer wieder Grenzsituationen ausgesetzt sind: Angehörige der Polizei, Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks oder Soldaten der Bundeswehr. „Zu den vulnerablen Bevölkerungsgruppen gehören auch Flüchtlinge und Asylsuchende, die sich bei ihrer Ankunft in Deutschland oftmals in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befinden. Rund 40 Prozent haben mehrfach traumatisierende Erfahrungen gemacht. Die Rate für PTBS ist bei dieser Personengruppe im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um das Zehnfache erhöht“, stellt Dr. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) fest.

Psychotherapie das Mittel der Wahl

Traumafolgestörungen und PTBS lassen sich heute wirksam behandeln. Dabei ist Psychotherapie das Mittel der Wahl – vor allem wenn eine gründliche Aufklärung über das Krankheitsbild und das Erlernen von Entspannungstechniken zur emotionalen Regulation mit der sogenannten Traumakonfrontation beziehungsweise -exposition einhergehen.

„Traumafolgestörungen bedürfen therapeutischer Behandlung, doch die Versorgungsstrukturen in Deutschland sind nicht ausreichend darauf ausgerichtet. Zwar können sich die Betroffenen in einigen Regionen an sogenannte Traumaambulanzen wenden, wo sie rasch und unkompliziert Hilfe erhalten. Vielerorts müssen sie jedoch lange auf einen Termin beim Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder beim ärztlichen beziehungsweise psychologischen Psychotherapeuten warten.  

Besonders prekär ist die Situation für Flüchtlinge und Asylsuchende, die zusätzlich mit sprachlichen, kulturellen und administrativen Hürden zu kämpfen haben “, so Dr. Meryam Schouler-Ocak, Leiterin des DGPPN-Fachreferates für interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie sowie Migration. Werden Traumafolgestörungen nicht frühzeitig behandelt, besteht die Gefahr einer Chronifizierung. Gleichzeitig können weitere psychische Erkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen auftreten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde: Psychische Traumata oft unterbehandelt
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