Männer erkranken anders

Depressionen äußern sich bei Männern mit anderen Symptomen. Daher werden sie oft nicht erkannt. Auch weil viele Männer ihre Probleme verbergen.

Mann ist verzweifelt © Thinkstock
(Berlin – 27.04.2015) Psychische Erkrankungen seltener diagnostiziert als bei Frauen. Nach aktuellen Daten erkranken in Deutschland innerhalb von zwölf Monaten knapp fünf Prozent der erwachsenen Männer an einer Depression. Bei Frauen liegt der Wert im gleichen Zeitraum bei über zehn Prozent. Gleichzeitig ist aber bei Männern eine deutlich höhere Rate für Suchterkrankungen sowie für (vollendeten) Suizid festzustellen.

„Diese Daten legen nahe, dass psychische Erkrankungen bei Frauen spezifischer erfasst werden. Untersuchungen konnten nachweisen, dass die psychiatrisch-psychotherapeutische Diagnostik depressive Symptome bei Männern nicht erfasst. Die erfragten depressiven Symptome wie Niedergeschlagenheit, Grübeln, Antriebslosigkeit und Rückzugstendenzen gelten als eher weiblich. Männer hingegen versuchen immer noch ihre seelischen Probleme zu verstecken und schildern häufiger körperliche Symptome“, erläutert Prof. Anette Kersting von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.

Depressionen äußern sich bei Männern und Frauen unterschiedlich

Klinische Daten zur sogenannten „Männerdepression“ belegen, dass sich Depressionen bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern: Neben den üblichen depressiven Symptomen treten bei Männern häufiger auch Gereiztheit, Irritabilität, Aggressivität, Wut oder antisoziales Verhalten auf, die als „typisch männliche“ Abwehrstrategien interpretiert werden. Depressive Symptome bei Männern können also durch geschlechtstypische Stresssymptome maskiert sein – mit der Folge, dass eine vorliegende Depression nicht diagnostiziert und nicht behandelt wird.

„Aus der Forschung wissen wir, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit emotionalem Stress und Problemen umgehen. Während Frauen sich eher mit ihren Gefühlen beschäftigen und ins Grübeln verfallen, verdrängen viele Männer Probleme und greifen zur Flasche. Dies ist vermutlich eine der Ursachen für die höhere Häufigkeit von Suchterkrankungen bei Männern sowie von Depressionen und Angsterkrankungen bei Frauen. Grundsätzlich ist es jedoch ein Zusammenspiel von zahlreichen biologischen und psychosozialen Einflussfaktoren, die die geschlechtsspezifischen Unterschiede der psychischen Gesundheit von Männern und Frauen beeinflussen“, so Kersting weiter.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.04.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde: Psychische Erkrankungen: Männer erkranken anders
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung