Katheter fängt Gerinnsel

Bei vielen Patienten mit akutem Schlaganfall lässt sich das Gerinnsel im Hirn nicht medikamentös auflösen. Ihnen soll nun ein Spezialkatheter helfen.

Untersuchung im Computertomografen © Thinkstock
(Duisburg/Essen – 22.04.2015) Viele Patienten, die einen akuten Schlaganfall erleiden, können bislang nicht therapiert werden. Denn das Blutgerinnsel, das ihn verursacht, lässt sich medikamentös nicht auflösen. Für sie gibt es nun Hoffnung. Im Rahmen einer europäisch-amerikanischen Studie stellte sich ein neues Verfahren als wirksam heraus: Über einen Spezialkatheter wird das Gerinnsel im verschlossenen Hirngefäß eingefangen und aus der Arterie herausgezogen.

Behandlung innerhalb von viereinhalb Stunden notwendig

In Deutschland ereignen sich etwa 200.000 Schlaganfälle pro Jahr. Etwa 85 Prozent der Betroffenen erleiden einen sogenannten ischämischen Schlaganfall: Blutgerinnsel verstopfen eines der Gefäße, die das Gehirn mit Blut versorgen, und das dahinterliegende Hirngewebe stirbt ab. Bei einem Schlaganfall kommt es darum zunächst vor allem auf Schnelligkeit an. Patienten sollten innerhalb von maximal viereinhalb Stunden behandelt werden.  

Bislang gab es nur zwei Behandlungsoptionen, die nachweislich wirksam sind: die Therapie in einer Spezialstation für Schlaganfälle (Stroke Unit) und die sogenannte systemische Thrombolyse. Hier wird Patienten eine Substanz in die Vene injiziert, die das Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. Das schlägt aber nur bei der Hälfte der Fälle an. Jetzt steht erstmals auch für die anderen 50 Prozent eine Therapie zur Verfügung. Ihre Wirksamkeit konnte im Rahmen der SWIFT PRIME-Studie nachgewiesen werden.

Über 90 Prozent der Hirngefäße konnten geöffnet werden

An der groß angelegten Studie nahmen 200 betroffene Männer und Frauen teil. Bei der Hälfte wurde zusätzlich zur intravenösen Thrombolyse ein Spezialkatheter eingesetzt, über den das Blutgerinnsel im Hirngefäß manuell eingefangen und aus der Vene herausgezogen werden konnte. „Mit dieser Methode gelang es, über 90 Prozent der verschlossenen Hirngefäße wieder zu öffnen. Dadurch ging die Sterblichkeit deutlich zurück und doppelt so viele Patienten waren nach dem Katheter-Eingriff nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen“, erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, der die Studie für Europa leitete. Voraussetzung ist allerdings weiterhin, dass die Betroffenen innerhalb von viereinhalb Stunden ein Krankenhaus mit einer Neuroradiologie erreichen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.04.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen: Spezialkatheter fängt Blutgerinnsel ein
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