Warum manche stottern

Deutsche Wissenschaftler haben herausgefunden, welche Gehirnhälfte für Sprechvorbereitung und Stottern verantwortlich ist.

Frau spricht mit Hand am Mund © Thinkstock
(Göttingen – 09.04.2015) Fließend zu sprechen, ist für manche Menschen eine große Herausforderung. Neue Forschungsdaten von Wissenschaftlern aus Göttingen zeigen nun, wie Bewegungsbereiche des Gehirns das Sprechen vorbereiten und was dabei bei Menschen gestört ist, die seit der Kindheit stottern. Die Ergebnisse sind überraschend: Denn anders als gedacht, spielt für das Sprechen vor allem die linke Hirnhälfte eine Rolle.  

Bekannt ist: Die Bewegung des rechten Arms und des rechten Beins wird von der gegenüberliegenden linken Gehirnhälfte gesteuert. Dagegen sind Sprechorgane wie Zunge, Lippen, Kiefer und Stimmlippen beidseitig gesteuert: Beide Hirnhälften innervieren (steuern über die Nerven) beide Muskeln beider Seiten. Man hätte also annehmen können, dass auch die Sprechvorbereitung in beiden Hirnhälften gesteuert wird.

Stimulation bestimmter Hirnbereiche

Dr. Nicole Neef und Prof. Dr. Martin Sommer, beide aus der Klinik für Klinische Neurophysiologie der Universitätsmedizin Göttingen, haben zusammen mit Dr. Andreas Neef vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen die Frage erstmals geklärt. Sie verwendeten dafür eine Technik mit hoher zeitlicher Auflösung: Sie stimulierten mit kurzen elektromagnetischen Impulse während des Sprechens die Bereiche des Gehirns, die die Zunge steuern. Elektroden auf der Zungenmuskulatur machten es erstmals möglich, Änderungen in der lokalen Hirnerregbarkeit während des Sprechvorganges zu verfolgen.

Je stärker das Stottern, desto schlechter die Bewegungsvorbereitung

Bei der Kontrollgruppe nicht stotternder Erwachsener zeigte vor allem die linke Gehirnhälfte während des Sprechvorgangs eine dynamische Regulierung der Erregbarkeit, die die Zungenbewegung steuert. Diese Modulation fehlt bei Stotternden – abhängig von der Schwere des Stotterns. Je schwerer die untersuchten Probanden gestottert haben, desto schlechter funktioniert die Bewegungsvorbereitung im linksseitigen motorischen Areal des Gehirns.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.04.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Göttingen – Georg-August-Universität: Sprechen und Stottern von linker Hirnhälfte gesteuert
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung