Hinderliche Ängstlichkeit

Je ängstlicher man ist, desto schlechter kommt man mit ständig wechselnden Bedingungen zurecht. Das kann in einen Teufelskreis der Angst führen.

Ängstliche Frau © Thinkstock
(Magdeburg – 05.03.2015) Angst gehört zu den Grundgefühlen des Menschen. Ihre Aufgabe ist es, uns vor Gefahren zu schützen – eigentlich etwas Gutes also. In manchen Fällen ist sie jedoch eher hinderlich, zum Beispiel wenn es darum geht, sich in ständig wechselnden Umgebungen zurechtzufinden. Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus Oxford und Magdeburg untersucht den Zusammenhang zwischen der individuellen Ausprägung von Ängstlichkeit und dem Lernverhalten der getesteten Probanden. An der Forschung war auch Dr. Gerhard Jocham beteiligt, der eine Forschergruppe im Center for Behavioral Brain Sciences (CBBS) in Magdeburg leitet.

Studie mit Lernexperiment

In der Studie haben die Forscher 31 gesunde Probanden im Alter von 18 bis 40 Jahren untersucht. Zunächst stuften sie mithilfe von psychologischen Fragebögen deren Ängstlichkeit als eine Persönlichkeitseigenschaft ein. Anschließend folgte ein Lernexperiment. Die Probanden mussten herausfinden, welches von zwei auf einem Bildschirm angezeigten Objekten mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem leichten Elektroschock für den Studienteilnehmer führt und welches eher nicht. Die Schwierigkeit dabei: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem der beiden Objekte eine elektrische Reizung auszulösen, war nur in einer stabilen Umgebung konstant. Die Bedingungen änderten sich jedoch immer wieder.

Jocham erklärt das anhand eines Beispiels: „Wenn ich weiß, dass die Umwelt stabil ist, wird ein unerwartetes Ereignis kaum einen Einfluss auf mein Verhalten haben. Einen einzigen warmen Tag im Januar werde ich beispielsweise als Ausnahme einordnen und nicht direkt die Sommergarderobe aus dem Schrank holen. Würden sich die Jahreszeiten jedoch alle paar Wochen ändern, wäre ich wohl eher geneigt, dies zu tun.“

Ängstliche passen sich nicht so schnell an veränderte Bedingungen an

Bei den Experimenten konnten die Forscher nachweisen, dass sich die ängstlichen Probanden nicht so schnell an die veränderten Bedingungen anpassen konnten. Ihnen fiel die Umstellung von der stabilen in die wechselnde Umgebung und umgekehrt schwerer.  

Die Wissenschaftler untersuchten bei den Probanden zudem die Änderung des Pupillendurchmessers während der Experimente. Es wird angenommen, dass schnelle Änderungen des Durchmessers mit Aktivierungssystemen im Gehirn und mit der Ausschüttung des Neurotransmitters Noradrenalin zusammenhängen. Bei den ängstlichen Probanden zeigte dieses Maß jedoch eine verminderte Reaktivität auf die sich ändernde Umwelt.

Teufelskreis der Angst

„Dadurch dass sich ängstliche Personen nicht so gut an verändernde Umwelten anpassen können, kann das zu einem Teufelskreis der Angst führen. Diese Personen werden bedrohliche oder mit Unsicherheit behaftete Situationen meiden, was ihre Ängstlichkeit noch verstärken oder zumindest aufrechterhalten kann“, erklärt Jocham. In zukünftigen Untersuchungen soll die Rolle von Noradrenalin noch genauer bestimmt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.03.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Neurobiologie: Ängstlichkeit beeinträchtigt das Lernverhalten von Probanden
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