Bewegung schützt Nerven

Tägliche moderate Bewegung senkt das Risiko, an Morbus Parkinson zu erkranken. Das fanden jetzt schwedische Wissenschaftler heraus.

Frauen gehen in der Mittagspause spazieren © Thinkstock
(München – 12.02.2015) Wissenschaftler des renommierten Karolinska Instituts in Stockholm fanden heraus, dass tägliche moderate körperliche Aktivität das Risiko für Parkinson verringert. Am deutlichsten ist dieser Effekt bei Männern. „Wir haben nun starke Gründe anzunehmen, dass körperliche Aktivität die Wahrscheinlichkeit für eine Parkinsonerkrankung senkt – ähnlich wie das für die Alzheimerkrankheit schon bekannt ist“, erklärt  Prof. Dr. Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Dopaminproduzierende Zellen sterben ab

Morbus Parkinson zählt zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Im Gehirn sterben nach und nach Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dadurch kommt es zu einem Dopaminmangel in der im Mittelhirn gelegenen Substantia nigra, der sogenannten schwarzen Substanz. Die Nervenzellen in diesem Areal enthalten Melanin und sind dunkel gefärbt – daher der Name. Dopamin hat viele Aufgaben im Gehirn – unter anderem ist der Neurotransmitter für reibungslose Bewegungsabläufe zuständig. Wenn 50 bis 60 Prozent der dopaminproduzierenden Zellen abgestorben sind, machen sich die ersten Krankheitszeichen von Parkinson bemerkbar. Die typischen Symptome sind Muskelzittern in Ruhephasen, verlangsamte Bewegungen und Steifheit der Muskeln. Warum ein Mensch an Parkinson erkrankt und der andere nicht, ist noch weitgehend unklar. Diskutiert werden erbliche Faktoren und Umweltgifte, die die Substantia nigra schädigen.

Alltagsaktivitäten in Haushalt, Beruf und Freizeit

Das schwedische Forscherteam um Karin Wirdefeldt nahm nun den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko, an Parkinson zu erkranken, in einer Studie genauer unter die Lupe. Sie werteten die Daten von mehr als 43.000 Schweden aus, die an einer großen Studie zur Krebsvorbeugung teilnahmen. Insgesamt wurden 27.863 Frauen und 15.505 Männer, die im Schnitt 50 Jahre alt waren, von 1997 bis zum Ende des Jahres 2010 beobachtet. Keiner der Probanden war zu Beginn der Studie an Parkinson erkrankt.  

In einem 36-seitigen Fragebogen machten sie detaillierte Angaben zu ihren körperlichen Aktivitäten – im Haushalt, auf dem Weg zur Arbeit, in Beruf und Freizeit sowie zu ihrer täglichen Gesamtaktivität. Zusätzlich gaben sie Auskunft darüber, wie körperlich aktiv sie in bestimmten Altersperioden gewesen waren. Als Maß für die körperliche Aktivität dienten sogenannte Metabolische Äquivalente (MET, Metabolic Equivalent of Task) in Stunden pro Tag. Die Basis dafür war die Messung der körperlichen Belastung über den geschätzten Sauerstoffverbrauch, der mit den verschiedenen Aktivitäten einhergeht.  

Die MET-Punkte für Haushalt, Pendeln zum Job und Freizeitaktivität wurden als „allgemeine körperliche Aktivität “ summiert. Dann ermittelten die Forscher das Risiko für eine Parkinsonerkrankung in Abhängigkeit von ihrer körperlichen Aktivität. „Eine Stärke der Studie ist, dass wir damit das gesamte Spektrum des täglichen Energieverbrauchs berücksichtigt haben, statt uns nur auf bestimmte Bewegungsarten zu fokussieren“, so die Forscher.

Sechs Stunden Bewegung pro Woche reduziert Risiko um bis zu 45 Prozent

Im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 12,6 Jahren erkrankten laut nationalem schwedischen Patientenregister 286 der insgesamt 43.368 Studienteilnehmer an Parkinson – 158 davon waren Männer. Personen, die mehr als sechs Stunden pro Woche im Haushalt und auf dem Weg zum Arbeitsplatz körperlich aktiv waren, hatten ein 43 Prozent niedrigeres Risiko an Parkinson zu erkranken als Probanden, die weniger als zwei Stunden wöchentlich körperlich aktiv waren. Bei Männern sank das Risiko sogar um 45 Prozent. „Schon tägliche moderate Bewegung im Alltag kann das Parkinsonrisiko deutlich senken“, schlussfolgern die schwedischen Forscher. Das Studienergebnis erhärtete sich, als die Forscher zusätzlich bereits veröffentlichte prospektive Kohortenstudien analysierten. Auch hier zeigte sich, dass moderate Bewegung das Parkinsonrisiko senkt.

Einstieg in eine wissenschaftlich abgesicherte Vorbeugung

„Zusammen mit weiteren Studien, die in dieselbe Richtung weisen, ist dies der Einstieg in eine wissenschaftlich abgesicherte Vorbeugung von neurodegenerativen Erkrankungen – jenen Krankheiten, bei denen die Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen“, kommentiert Deuschl, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Präsident der European Academy of Neurology (EAN). „Bewegung in den Alltag zu integrieren, fällt vermutlich den meisten Menschen leichter, als gezielt regelmäßig Sport zu treiben, und könnte positive Langzeiteffekte auf die Gesundheit haben. Die Mechanismen für diese Wirkung sind noch nicht klar. Körperliche Bewegung hat viele positive Effekte – darunter die Freisetzung von Wachstumsfaktoren, eine verminderte Entzündungsaktivität und eine höhere Vitamin-D-Produktion“, so der Parkinson-Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.02.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Körperliche Aktivität schützt die Nerven: Bewegungsmuffel erkranken häufiger an Parkinson
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