Ich glaub‘, ich träume!

Manche Menschen wissen, dass sie gerade träumen – und können den Traum oft sogar mitgestalten. Woran das liegt, haben Forscher jetzt herausgefunden.

Frau schläft © Thinkstock
(Berlin – 22.01.2015) Manche Menschen kennen das Phänomen des luziden Träumens, auch Klarträumen genannt. Es bezeichnet den Bewusstseinszustand, in dem man weiß, dass man gerade träumt. Der Träumer kann den Traum manchmal sogar mitgestalten. Die meisten Klarträumer erleben dieses Phänomen aber nicht häufiger als ein paar Mal im Jahr – nur sehr wenige fast täglich.  

Dabei ist es eine verlockende Vorstellung, die eigenen Träume zu kontrollieren und darin auszuleben, was im wahren Leben nicht gelingt – zum Beispiel Fliegen. Internetforen und Blogs sind voll mit Anleitungen und Tipps zum Klarträumen. Doch wie kommt es, dass die einen klarträumen und die anderen nicht? Und hat luzides Träumen etwas mit der menschlichen Fähigkeit zu tun, über das eigene Denken nachdenken zu können – der sogenannten Metakognition?

Bei Klarträumern ist ein bestimmter Hirnbereich größer

Obwohl diese Verbindung naheliegt, war bisher unklar, ob der Klartraum, in dem man sich bewusst ist zu träumen, und die Metakognition, also das Wissen über das eigene Wissen und Denken, tatsächlich miteinander zusammenhängen. Hirnforscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München konnten dies nun gemeinsam erstmals mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) nachweisen. Hierzu wurden die Hirnstrukturen von 31 Probanden, die häufig klarträumen mit denen von 31 Probanden, die nicht oder nur selten klarträumen, verglichen.  

Es zeigte sich, dass bei Klarträumern derjenige Bereich im Gehirn größer ist, der als Kontrollinstanz bewusste, kognitive Prozesse steuert: der anteriore präfrontale Kortex, auch vorderes Stirnhirn genannt. Derselbe Bereich der Hirnrinde spielt auch für die Metakognition eine wichtige Rolle. Die Unterschiede zwischen Klarträumern und Nicht-Klarträumern in der Größe dieses Bereichs deuten darauf hin, dass Klarträumen und Metakognition tatsächlich miteinander zusammenhängen. Dafür sprechen auch Tests, bei denen die Probanden im Wachzustand Metakognitionsaufgaben lösten. Die dabei erstellten Hirnbilder zeigen, dass die Aktivität bei den Klarträumern höher war.

Lassen sich metakognitive Fähigkeiten trainieren?

„Als nächstes interessiert uns, ob sich metakognitive Fähigkeiten trainieren lassen“, sagt Elisa Filevich vom Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. „Das Ergebnis unserer Studie lässt vermuten, dass Menschen, die ihre Träume kontrollieren können, auch in ihrem Alltag besonders gut über ihr eigenes Denken nachdenken können.“ Deshalb  wollen die Forscher in einer nächsten Studie Probanden im luziden Träumen trainieren, um zu untersuchen, ob das Training die Metakognition positiv beeinflusst.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.01.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung: Klarträumen und Metakognition: Wie kann ich wissen, dass ich gerade träume?
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