MS: Sonnenlicht tut gut

Die meisten von uns freuen sich, wenn die Sonne scheint. Doch für Menschen mit Multipler Sklerose könnte Sonnenlicht sogar eine Therapie sein.

Frau im Sonnenlicht © Thinkstock
(München – 18.11.2014) Der Lichtmangel im Herbst und Winter drückt nicht nur aufs Gemüt – das fehlende Sonnenlicht belastet auch das Immunsystem und kann den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) negativ beeinflussen. Tatsächlich erkranken Menschen seltener an Multipler Sklerose, wenn sie in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung leben. Je weiter weg vom Äquator sie wohnen, desto schlechter ist es wiederum für MS-Patienten: Jeder Breitengrad, den sie weiter entfernt leben, verstärkt die Krankheit durch den Lichtmangel im Winter. Das errechneten Wissenschaftler um den Australier Dr. Tim Spelman vom Department of Neurology am Royal Melbourne Hospital nun in der bislang größten internationalen Studie zu diesem Thema.  

„Die Studie belegt mit ihrer umfangreichen und globalen Datenbasis eindrücklich den Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und den Krankheitsschüben bei Multipler Sklerose: Je höher die natürliche UV-Strahlung, desto geringer die Wahrscheinlichkeit der Schübe“, kommentiert Prof. Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie in Münster und Vize-Vorstand des Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS).

Nach langem Lichtentzug im Winter treten MS-Schübe häufiger auf

Multiple Sklerose ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS). Weltweit sind etwa zwei Millionen Menschen daran erkrankt. Bei der schubförmigen Form erleiden Patienten Phasen, in denen die Krankheit plötzlich schneller fortschreitet. Ein Ziel der Therapie ist es daher, die Schübe zu verhindern. Die Häufigkeit von Schüben ist aber nicht überall auf dem Globus gleich: Denn mehr Sonnenlicht bewirkt, dass in der Haut mehr Vitamin D gebildet wird. Dem Vitamin wird eine positive Wirkung bei Autoimmunerkrankungen wie MS oder Schuppenflechte zugeschrieben.  

Bei der Schuppenflechte (Psoriasis) hat sich die Lichttherapie bereits etabliert. Noch weiß man nicht, ob UV-Licht therapeutisch auch bei Multipler Sklerose wirkt. Aber es werden derzeit mehrere Studien mit Vitamin D als Wirkstoff durchgeführt. „Die Wirkung des Lichts auf das Immunsystem geht aber deutlich über das hinaus, was wir mit einer erhöhten Vitamin-D-Produktion erklären können“, so Wiendl.

Jeder Breitengrad Richtung Äquator verzögert MS-Schübe um drei Tage

Die australischen Forscher nutzten für ihre Untersuchung die MSBase Registry – eine internationale Online-Datenbank mit einem Datenpool von mehr als 32.000 MS-Patienten. Sie werteten 32.762 MS-Schübe von fast 10.000 Patienten in 55 klinischen MS-Behandlungszentren aus 30 Ländern aus. Dabei zeigten sie, dass die Schübe einem wiederkehrenden Muster folgen: Sie treten besonders häufig zu Beginn des meteorologischen Frühjahrs, also nach der geringen UV-Strahlung im Winter, und besonders selten im Herbst auf – und zwar genauso bei Patienten auf der nördlichen wie auf der südlichen Erdhalbkugel. Dabei lag zwischen dem UV-Strahlungstief im Winter und dem Auftreten der Schübe im Frühjahr im Schnitt ein Zeitraum von knapp drei Monaten. Dieser Zeitraum verkürzte sich, je weiter die Menschen vom Äquator entfernt lebten – im Durchschnitt um 2,9 Tage pro Breitengrad. Die Autoren vermuten, dass Menschen mit einem niedrigeren Vitamin-D-Level nach dem Winter früher einen Vitamin-D-Mangel erleiden, der die Wahrscheinlichkeit von Schüben erhöhen könnte.

UV-Licht beruhigt das Immunsystem

Auch Wiendl und sein Team erforschen am Universitätsklinikum in Münster den Zusammenhang zwischen Licht und Multipler Sklerose und veröffentlichten dieses Jahr bereits eine wichtige Studie: Sie fanden im Blut von Patienten, die zuvor mit UV-B-Licht bestrahlt wurden, schon einen Tag später vermehrt bestimmte Zelltypen – sogenannte regulatorische T-Zellen und dendritische Zellen. Diese Zelltypen halten das Immunsystem davon ab, sich selbst anzugreifen – verhindern also Autoimmunreaktionen.  

Die UV-B-Strahlung löst die Bildung von regulatorischen Zellen aus, die über das Blut bis zum Nervensystem wandern und dort ihre schützende Wirkung entfalten. Allerdings hält diese nur kurz an: Wurde die Bestrahlung auch nur für wenige Tage unterbrochen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunsystem wieder.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.11.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit dem Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS): Kurze Tage, dunkle Zeiten: Warum Sonnenlicht Patienten mit Multipler Sklerose gut tut
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung