Schwankende Stimmung

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt: Für unerklärliche starke Stimmungsschwankungen könnte eine Bipolare Störung verantwortlich sein.

Depressiver Mann © Thinkstock
(Bern – 23.10.2014) Erleben Personen scheinbar unerklärliche Wechsel zwischen euphorischen und depressiven Gemütszuständen, sollten sie diese Stimmungsschwankungen fachärztlich abklären lassen – sie können auf eine Bipolare Störung hinweisen. „Bei Menschen, die an Bipolaren Störungen leiden, kommt es zu Krankheitsepisoden mit völlig übersteigerten Stimmungsschwankungen. Diese werden zwar oft durch äußere Umstände wie Prüfungsstress oder ein Hochzeitsfest ausgelöst, doch erklären diese Umstände das Ausmaß und vor allem die Dauer der Stimmungsveränderung nicht. Fast alle Betroffene, die eine Manie erleben, in der sie überaktiv, euphorisch oder gereizt sind, erleiden auch depressive Phasen mit Lustlosigkeit, gedrückter Stimmung und pessimistischen Gedanken. Zwischen diesen Phasen treten oft weniger stark ausgeprägte Stimmungsschwankungen auf“, erklärt Prof. Dr. Gregor Hasler von der Schweizer Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP).

Unterschiedliche Formen und Verläufe

Bipolare Erkrankungen können individuell recht unterschiedliche Formen und Verläufe haben. Besonders ausgeprägt und schwerwiegend sind Bipolare Erkrankungen, wenn psychotische Symptome auftreten. Das bedeutet, dass die Realitätswahrnehmung und -verarbeitung gestört ist, was zu verzerrten Sinneseindrücken und Wahnvorstellungen führt. Psychotische Symptome kommen dabei häufiger bei Manien als bei Depressionen vor. Über zwei Drittel aller Patienten mit Manien zeigen einzelne psychotische Symptome – am häufigsten grenzenlose Selbstüberschätzung. Leichtsinnige Geldausgaben und der Verlust sozialer Hemmungen sind häufige Folgen der gestörten Realitätswahrnehmung.

Eine Bipolare Störung wird oft lange nicht erkannt

Viele Patienten erleben ihre erste Krankheitsepisode um das 18. Lebensjahr herum, doch meist wird die Störung erst später erkannt. Betroffene nehmen oft über lange Zeit keine ärztliche Hilfe in Anspruch, weil sie die Notwendigkeit nicht sehen. „In depressiven Phasen halten viele Erkrankte ihre über längere Zeit anhaltende Stimmungsveränderung für schlechte Laune oder ein normales Stimmungstief und sehen keinen Behandlungsbedarf. In einer manischen Episode, in der sich die Betroffenen mitunter ausgesprochen gut und leistungsfähig fühlen, fehlt ihnen oft die Krankheitseinsicht, weil sie keinerlei Leidensdruck verspüren. Besonders, wenn jemand vorher unter einer depressiven Phase gelitten hat, kann die einsetzende Manie verständlicherweise wie eine Befreiung aufgenommen werden“, so der Experte. Auch weil zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden Intervalle von mehreren Monaten oder Jahren liegen können, in denen Betroffene völlig beschwerdefrei sind und über eine stabile Stimmungslage verfügen, wird professionelle Hilfe oft lange Zeit nicht in Anspruch genommen.

Erhöhtes Suizidrisiko bei Bipolaren Störungen

Bipolare Störungen sind mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. „Man muss davon ausgehen, dass das Risiko für einen Suizid gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht ist. Die Suizidhäufigkeit bei Erkrankten liegt – bezogen auf das ganze Leben – bei 15 bis 30 Prozent. Nicht zuletzt deswegen ist eine möglichst frühzeitige Behandlung enorm wichtig“, betont Hasler. „Bei bipolaren Patienten sind es oft lange depressive Phasen oder Mischzustände, die das Suizidrisiko erhöhen. Mischzustände zeichnen sich durch gleichzeitige oder schnell abwechselnde depressive und manische Symptome aus. Besonders gefährlich ist es, wenn erhöhte Aktivität und Tatendrang auf Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit treffen.“

Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Bemerken Betroffene oder Angehörige Symptome einer Bipolaren Störung, sollten sie nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Diagnose kann im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs zwischen einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und dem Erkrankte – manchmal auch der nächsten Angehörigen – eruiert werden. „In der Akutbehandlung geht es zunächst darum, den Patienten aus seiner aktuellen manischen, depressiven oder gemischten Krankheitsepisode herauszuholen und zu stabilisieren, den akuten Leidensdruck zu reduzieren und gegebenenfalls die Krankheitseinsicht des Patienten wiederherzustellen“, erklärt der Experte. „Ist eine deutliche Verbesserung der Krankheitssymptome eingetreten, schließen die Erhaltungstherapie und die Rückfallvorbeugung an. Sie haben zum Ziel, den Patienten dauerhaft zu stabilisieren und Rückfälle zu verhindern. In allen Krankheitsphasen ist oft der Einbezug von Angehörigen für den Therapieerfolg entscheidend. Ferner sind vor allem manische Phasen für Angehörige enorm belastend, sodass sie nicht selten selbst an Stress‐Symptomen leiden.“  

In der Behandlung Bipolarer Störungen werden verschiedene Behandlungsmethoden eingesetzt, die sowohl von der Schwere der Erkrankung als auch vom Verlauf abhängig sind. Neben der Psychoedukation und der medikamentösen Therapie, die viele Patienten den Rest ihres Lebens begleitet, hat sich bei depressiven Phasen eine psychotherapeutische Zusatzbehandlung als wirksam erwiesen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.10.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (www.psychiater-im-netz.org): Nicht durch äußere Umstände erklärbare Stimmungsschwankungen abklären lassen
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