Fröhlich oder wütend?

Eine Studie zum geschlechtsspezifischen Lesen von Körpersprache zeigt, welche Emotionen Männer und Frauen beim anderen Geschlecht am besten erkennen.

Frau lacht © Thinkstock
(Tübingen – 21.10.2014) Unsere Körperbewegungen sagen oft mehr über uns aus, als wir wahrhaben wollen. So ist es nicht nur schwieriger, bei non-verbaler Kommunikation zu täuschen, es kann sogar zuverlässig auf den emotionalen Zustand geschlossen werden. Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Marina Pavlova von der Radiologischen Universitätsklinik Tübingen ging Geschlechtsunterschieden bei der Wahrnehmung von Körpersprache auf den Grund und fand heraus, dass es dabei auf die Emotion ankommt.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern kaum erforscht

Körpersprache ist in unserem Alltag von größter Bedeutung – sei es bei non-verbaler Kommunikation oder sozialer Wahrnehmung. Obwohl nach gängiger Auffassung Frauen beim Verstehen non-verbaler Signale den Männern überlegen sein sollen, sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern kaum erforscht. Dabei besteht eine medizinische Relevanz: Die Mehrzahl neurologischer Entwicklungsstörungen sowie psychiatrischer und psychosomatischer Erkrankungen, bei denen auch die non-verbale Wahrnehmung und Kommunikation beeinträchtigt sind (zum Beispiel Autismus, ADHS, Schizophrenie, Depression, Angst- und Essstörungen), betrifft die Geschlechter in unterschiedlichem Ausmaß und Verhältnis. Ohne die zugrunde liegenden neurobiologischen Geschlechtsunterschiede zu verstehen, ist aber eine personalisierte Medizin undenkbar.

Welche Emotionen erkennt welches Geschlecht am besten?

Unter Leitung von Prof. Dr. Marina Pavlova aus der Abteilung für Biomedizinische Magnetresonanz am Universitätsklinikum Tübingen wurden Geschlechtsunterschiede nun differenziert erforscht. In einer ersten Untersuchung sollten gesunde Versuchsteilnehmer erkennen, ob eine an der Tür klopfende Person fröhlich, neutral oder wütend gestimmt war. In der zweiten Studie wurden Emotionen gehender Menschen beurteilt. In beiden Fällen waren Männer beim Erkennen fröhlicher Körpersprache besser als Frauen, Frauen wiederum bei wütenden Bewegungen. Insbesondere konnte gezeigt werden, dass Männer fröhlich gehende Frauen am besten erkennen.

Unterschiedliche Strategien beim Lesen der Körpersprache

Mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens (Magnetenzephalographie, MEG) konnte bei Frauen eine frühere und höhere Aktivität über dem rechten Temporallappen nachgewiesen werden – einer Gehirnregion, in der die neuronalen Netzwerke für Bewegungswahrnehmung und Erkennen emotionaler Körpersprache überlappen. Bei Männern wird eine spätere Gehirnaktivität über dem Frontalhirn aufgezeichnet – dort, wo sozial relevante Entscheidungen getroffen werden. Es scheint, dass die Gehirne beider Geschlechter sich unterschiedlicher Strategien zum Lesen von Körpersprache bedienen.  

Die weitverbreitete Annahme, dass Frauen generell non-verbale Signale besser verstehen, konnte die Studie nicht bestätigen. Geschlechtsunterschiede beim Verstehen von Körpersprache gibt es aber durchaus, und zwar abhängig von der Art der Emotion: Männer erkennen besser fröhliche, Frauen wütende Körpersignale. Außerhalb der Medizin und Neurowissenschaften sind diese Ergebnisse auch für unser Alltagsleben von großer Bedeutung: Scheinbar mögen Männer einfach fröhliche Frauen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.10.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Tübingen: Männer mögen fröhliche Frauen
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