Gene machen zufrieden

Eine Studie zeigt: Zu einem Drittel tragen die Gene zur Zufriedenheit eines Menschen bei. Dieselben Gene beeinflussen auch die Persönlichkeit.

Zufriedene Frau © Thinkstock
(Saarbrücken – 15.10.2014) Nicht nur Familie, Gesundheit, Geld oder Erfolg tragen zu unserer Zufriedenheit bei – auch die Gene spielen hier eine wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt die Psychologin Elisabeth Hahn aus der Arbeitsgruppe von Zwillingsforscher Frank M. Spinath am Lehrstuhl für Differentielle Psychologie der Saar-Universität in einer Studie. Danach sind die Unterschiede zwischen Menschen in ihrer Zufriedenheit zu 30 bis 37 Prozent genetisch bedingt. Die Psychologin untersuchte, inwieweit Gene und Umwelt das subjektive Wohlbefinden und die Persönlichkeit beeinflussen. Dabei fand sie auch heraus, dass sich sämtliche genetischen Einflüsse auf die Zufriedenheit auch auf die Persönlichkeit auswirken.

Es gibt eine Grundtendenz, eher zufrieden oder unzufrieden zu sein

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine stabile Komponente der Zufriedenheit gibt – und diese lässt sich vermutlich genetisch erklären. Für jeden Menschen existiert also eine Art Grundtendenz, eher zufrieden oder unzufrieden zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass derjenige, der von seinen Anlagen her die Dinge eher negativ sieht, daran nichts ändern kann“, erklärt Hahn. Ein angeborener Hang zum Schwarzsehen bedeute für die Betroffenen jedoch, dass sie sich wahrscheinlich mehr anstrengen müssen, um zufrieden zu sein. „So macht etwa mehr Geld nicht alle Menschen gleichermaßen zufrieden – jeder hat seine eigene Grundtendenz und individuelle Umwelteinflüsse, die ihn prägen“, sagt die Psychologin.

Über 1.300 Teilnehmerpaare wurden untersucht

Um Fragen nach dem Einfluss von Genen und Umwelt zu beantworten, untersucht die Saarbrücker Arbeitsgruppe üblicherweise Zwillinge: Eineiige sind zu 100 Prozent genetisch identisch, daher spricht viel dafür, dass Unterschiede zwischen ihnen durch Umwelteinflüsse bedingt sind. Auch Elisabeth Hahn analysierte für ihre Studie Zwillinge – darüber hinaus aber auch Geschwisterpaare, Mütter und Kinder, Großeltern und Enkel. Insgesamt waren es 1308 Paare im Alter von 17 bis 70 Jahren. „Hierdurch war es möglich, die genetischen und umweltbedingten Einflüsse auf die Lebenszufriedenheit genauer zu schätzen, zu vergleichen und differenzierter zu erfassen. Das verleiht der Untersuchung besondere Aussagekraft“, so Hahn.  

Bei ihrer Forschung konnte die Wissenschaftlerin auf repräsentative Befragungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) aus einem Zeitraum von 20 Jahren zugreifen: Das DIW befragt jedes Jahr deutsche Haushalte – auch zum Thema Zufriedenheit. Die Gruppe der ein- und zweieiigen Zwillinge befragte Elisabeth Hahn selbst. Die Psychologin analysierte die Daten nach Ähnlichkeiten. „Das Verhältnis der Ähnlichkeiten von zum Beispiel Zwillingen und normalen Geschwistern lässt Rückschlüsse zu, wie der Einfluss von Genen und Umwelt prozentual verteilt ist“, erklärt sie.

Lebenszufriedenheit hängt auch mit der Persönlichkeit zusammen

Auch wie die Lebenszufriedenheit mit der Persönlichkeit zusammenhängt, untersuchte die Psychologin. „Dass die Wesenszüge eines Menschen etwa zur Hälfte erblich sind, haben Studien immer wieder bestätigt, das gilt auch für meine Studie. Interessant war aber, dass sich zwischen Lebenszufriedenheit und Persönlichkeit ein stabiler Zusammenhang zeigte. Das hat die Frage aufgeworfen, inwieweit für diesen Zusammenhang gemeinsame genetische Einflüsse verantwortlich sind“, sagt Hahn. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: „Sämtliche genetischen Einflüsse auf die Lebenszufriedenheit wirkten sich zugleich auf die Persönlichkeit aus und können somit durch die Persönlichkeit erklärt werden. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Merkmalen scheint demnach auf gemeinsamen genetischen Faktoren zu beruhen“, erklärt die Psychologin. Die Analyse zeigte außerdem, dass es Umweltfaktoren gibt, die gleichermaßen die Zufriedenheit wie die Persönlichkeit beeinflussen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.10.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität des Saarlandes: Zufriedenheit ist zu einem Drittel genetisch bedingt
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