Ultraschalltest zeigt Risiko

Mithilfe eines Ultraschalltests lassen sich die Durchblutungsreserven im Gehirn und so das Schlaganfallrisiko eines Patienten ermitteln.

Carotis-Ultraschall © Thinkstock
(Freiburg – 13.10.2014) Jeder sechste Schlaganfall in Deutschland wird durch eine Verengung der Halsschlagader – eine sogenannte Carotis-Stenose – verursacht. Allerdings kommt die Carotis-Stenose in der Bevölkerung noch viel häufiger vor, ohne dass sie zu Schlaganfällen führt. Eine vorbeugende Operation bei allen Patienten ist daher umstritten.  

Unter der Leitung von Prof. Dr. Matthias Reinhard, Oberarzt und Leiter der Stroke Unit der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Freiburg, wurde eine internationale Studie zu einem Ultraschallrisikotest durchgeführt. Der Test ermöglicht es, Patienten zu identifizieren, die bei bekannter hochgradiger Einengung der Halsschlagader besonders gefährdet sind, tatsächlich einen Schlaganfall zu erleiden. Speziell diese Patienten könnten dann von einer vorbeugenden Operation profitieren. Die Ergebnisse der Studie haben die Forscher nun in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.

Schlechte Durchblutungsreserve: auch ohne Symptome besteht erhöhtes Risiko

Für die Studie wurden mehr als 750 Patienten mit hochgradiger Verengung oder Verschluss der Halsschlagader aus mehreren bisherigen Studien gemeinsam neu analysiert. Bei all diesen Patienten wurde mittels Ultraschall die Durchblutungsreserve im Gehirn bestimmt. Hierbei zeigte sich, dass Patienten mit schlechter Durchblutungsreserve ohne bisherige Schlaganfallsymptome wie Seh- oder Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen, ein vierfach erhöhtes Risiko haben, aufgrund der Carotis-Stenose einen Schlaganfall zu erleiden. Eine vergleichbare Risikoerhöhung für Schlaganfälle fand sich auch bei Patienten mit schlechter Durchblutungsreserve, die bereits Symptome einer Durchblutungsstörung hatten.  

„Dieser einfache Test ist ein äußerst wichtiger Baustein für die Risikoanalyse und Beratung von Patienten mit hochgradiger Carotis-Stenose ohne bisherige Symptome“, so der Experte. Seiner Ansicht nach sollte diese Untersuchung bei allen Patienten mit hochgradiger Verengung der Halsschlagader durchgeführt werden. „Erst wenn die Risikopatienten identifiziert sind, macht die prophylaktische Operation wirklich Sinn.“

Durchblutungsreserven werden etwa durch Luftanhalten ermittelt

Ein ganz wesentlicher Grund dafür, dass so viele Menschen selbst bei Verschluss der Halsschlagader gar keine Beschwerden haben, ist laut Reinhard, dass im Gehirn über Umgehungswege die Blutversorgung trotz der Verengung normal aufrechterhalten wird. Wie gut diese Umgehungswege der Blutversorgung beim einzelnen Menschen funktionieren, kann durch den Ultraschalltest erfasst werden. Dabei wird gemessen, ob trotz der Gefäßverengung im Kopf noch eine ausreichende Durchblutungsreserve besteht. Diese Reserve wird beispielsweise durch das Anhalten des Atems für 30 Sekunden bei gleichzeitiger Ultraschallmessung der Hirngefäße bestimmt. Durch das Anhalten des Atems steigt der Kohlenstoffdioxid-Gehalt im Blut an. Bei einer vorhandenen Reserve führt das zu einer Erweiterung der Hirngefäße und Zunahme der Durchblutung im Gehirn – ein sicheres Zeichen dafür, dass der Gefäßverschluss im Gehirn gut ausgeglichen wird.  

Andere Methoden zur Risikobestimmung bei Carotis-Stenose befassen sich mit dem Aufbau der Arterienverengung – der sogenannten Plaque – im Ultraschall oder der Kernspintomographie. Hier fehlen jedoch noch groß angelegte Untersuchungen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.10.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg: Ultraschalltest für Risikopatienten bei Schlaganfall
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