Ist Alzheimer ansteckend?

Forscher vermuten, dass Alzheimer und Parkinson bei Eingriffen wie OPs oder Bluttransfusionen auf andere Menschen übertragen werden könnten.

Seniorin schaut besorgt © Thinkstock
(München – 19.09.2014) Wissenschaftler nehmen an, dass bei bestimmten medizinischen Eingriffen Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson übertragen werden könnten. „Die Neuropathologie arbeitet an der Frage, ob die Alzheimer-Demenz und die Parkinson-Erkrankung sich wie Prion-Erkrankungen über eine Kettenreaktion im Gehirn ausbreiten und sich damit ähnlich wie eine Infektionskrankheit verhalten können“, berichtet Prof. Dr. Armin Giese auf der Neurowoche 2014 in München.  

„Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass man sich mit Alzheimer oder Parkinson beim sozialen Kontakt oder bei der Pflege von Patienten anstecken kann. Mögliche Übertragungswege – zum Beispiel durch Operationen und Bluttransfusionen – sind aber ein derzeit ungeklärtes Risiko. In Tierexperimenten konnten solche Mechanismen gezeigt werden", so Giese weiter. Die Forschung zeige aber nicht nur neue Risiken, sondern auch neue Chancen. Das bessere Verständnis der molekularen Krankheitsprozesse eröffne Möglichkeiten für eine bessere Früherkennung und Therapie.

Ausbreitung ähnlich einer Infektion?

Die neuropathologische Untersuchung des Gehirns von betroffenen Patienten zeigt, dass alle häufigen neurodegenerativen Krankheiten durch die Ablagerung von aggregierten, also verklumpten Eiweißen in den betroffenen Hirnregionen gekennzeichnet sind. Bei Alzheimer sind dies zum Beispiel das A-Beta und das Tau-Protein, bei Parkinson das Protein Alpha-Synuclein. Die aktuelle Forschung zeigt, dass diese Ablagerungen nicht nur Folge der Erkrankung, sondern ganz zentral für die Krankheitsentwicklung sind.

Zum einen können solche Proteinaggregate die Nervenzellen direkt schädigen und die entsprechenden Funktionsverluste wie Gedächtnis- oder Bewegungsstörungen auslösen. Zum anderen zeigen molekulare Untersuchungen, dass diese Aggregate auch für die Krankheitsausbreitung im Gehirn von entscheidender Bedeutung sind. Wie bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit schon länger erkannt, können fehlgefaltete und aggregierte Eiweiße diese Fehlfaltung und Verklumpung mittels eines Domino-Effekts auf gesunde Eiweiße übertragen. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass sich auch Alzheimer, Parkinson und einige andere verwandte neurodegenerative Krankheiten Prion-artig im Gehirn ausbreiten können.

Erkenntnisse bieten Chancen für neue Therapien

Zum einen stellt sich nun die Sicherheitsfrage, ob auch diese Krankheiten – beispielsweise durch neurochirurgische Instrumente oder Blutspenden – übertragbar sein könnten. Zum anderen ergeben sich aber auch ganz konkrete Chancen. Ergebnisse im Reagenzglas, in Zellkultur und im Tierversuch zeigen, dass es vielversprechende neue Wirkstoffe gibt, die die Proteinverklumpung stoppen können. Diese Wirkstoffe lassen eine ursächliche Therapie dieser bisher unheilbar fortschreitenden Krankheiten möglich erscheinen.

Zudem zeigen neueste Studien, dass man die Prion-artige Vermehrung dieser fehlgefalteten Eiweiße auch nutzen kann, um diese im Reagenzglas zu vervielfältigen und damit einen wesentlich empfindlicheren Nachweis – zum Beispiel im Liquor (Hirnflüssigkeit) oder im Blut – zu ermöglichen. Das eröffnet für die Zukunft die Chance, diese Krankheiten früher zu erkennen, noch bevor größere Schäden im Gehirn entstanden sind – und sie dadurch wesentlich erfolgreicher zu behandeln.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.09.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Ist die Alzheimer-Demenz ansteckend?
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