Sehstörungen durch Stress

Stress kann viele Folgen haben – zum Beispiel eine Sehstörung. Was hinter der sogenannten RCS steckt und wie sie sich behandeln lässt.

Auge © Thinkstock
(Berlin – 29.08.2014) Ärger mit dem Partner, ein voller Schreibtisch im Büro: Zu viel Stress im Privatleben oder am Arbeitsplatz kann Sehstörungen auslösen. Wenn ein grauer Fleck im Gesichtsfeld erscheint, Gegenstände verzerrt gesehen werden, das Lesen schwerfällt und die Farben nicht mehr stimmen, sollten Betroffene den Augenarzt aufsuchen. Dazu rät die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). Denn die sogenannte Retinopathia centralis serosa (RCS), wie Augenärzte die „Managerkrankheit“ des Auges nennen, kann zu langen Ausfallzeiten im Beruf führen.

Am häufigsten sind jüngere Männer unter 50 Jahren betroffen

Die RCS ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt, Augenärzte sehen die Erkrankung jedoch häufiger. „Typischerweise sind es jüngere Männer unter 50 Jahren, die wegen neu aufgetretener Sehstörungen in die Sprechstunde kommen“, berichtet Prof. Dr. Johann Roider, Präsident der DOG und Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Campus Kiel des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein. Auf den Augenarzt wirken die Männer – Frauen sind achtmal seltener betroffen – oft jung und dynamisch, ehrgeizig, ungeduldig und angesichts der Sehstörungen stark verunsichert. Die augenärztliche Untersuchung ergibt häufig nur eine leichte Weitsichtigkeit, die zunächst mit einer Brille korrigiert werden kann.  

Um die Veränderungen auf der Retina – der Netzhaut des Auges – zu finden, muss der Augenarzt genauer hinsehen. Oft gelingt die Diagnose nur mit einem Spezialgerät, der optischen Kohärenztomografie (OCT), bei der ein diagnostischer Laserstrahl die Retina abtastet. Er zeigt, dass sich die Netzhaut an manchen Stellen leicht angehoben hat. „Darunter sind häufig Flüssigkeitsansammlungen zu erkennen“, so Roider. In schweren Fällen kommt es zu Mikrorissen und zum Austritt der Flüssigkeit in den Augapfel.

Ursache der RSC: bisher unbekannt

Die Ursache der RCS ist bislang unbekannt. Doch die Forscher vermuten seit Längerem einen Zusammenhang mit der Persönlichkeit der Patienten. „Untersuchungen zeigen, dass viele Patienten eine sogenannte Typ-A-Persönlichkeit haben, die mit erhöhter Konzentration des Stresshormons Cortisol im Blut einhergeht“, erläutert Roider. „Örtlich begrenzte Schrankenstörungen an der Grenzsicht führen dazu, dass sich dort die Netzhaut vom Untergrund ablöst“, erklärt der Experte. „Ebenso können örtlich begrenzte Minderdurchblutungen der Aderhaut eine Ursache sein.“ Weitere Ursachen wie genetisch bedingte Anfälligkeit oder eine Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori werden diskutiert.

Behandlung mit Laser

Die meisten Patienten erholen sich bald wieder von den Sehstörungen. „Die Retinopathia centralis serosa hat eine hohe Spontanheilungsquote“, sagt Roider. Eine Erkrankungsepisode dauert in der Regel drei bis sechs Monate. Bei einigen Patienten kommt es jedoch immer wieder zu Rückfällen – sie sind über Monate krankgeschrieben. „In diesen Fällen raten wir zu einer Behandlung“, so Roider. Medikamente, die die Wirkung der Glukokortikoide hemmen, sind jedoch meist ebenso erfolglos wie Betablocker. „Wir empfehlen daher eine Laserbehandlung oder eine low fluence Photodynamische Therapie (PDT)“, erklärt der Experte. Dabei versiegelt der Augenarzt die Netzhaut durch Laserlicht mit dem Untergrund. Diese Behandlung ist heute Standard bei Netzhautablösungen. „Neue Varianten haben das Komplikationsrisiko gesenkt, sodass die Therapie auch bei den meist jüngeren Patienten eingesetzt werden kann“, so Roider.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft: Wenn Stress zu Sehstörungen führt – RSC ist die „Managerkrankheit“ des Auges
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