Lähmung durch Zugluft

Viele versuchen sich im Sommer durch Zugluft Abkühlung zu verschaffen. Doch Vorsicht: Das kann eine Gesichtslähmung zur Folge haben.

offenes Fenster © Thinkstock
(Krefeld – 18.08.2014) Ein permanenter kalter Lufthauch, der im Sommer durch eine Klimaanlage, ein geöffnetes Fenster oder einen Ventilator Kühlung verschaffen soll, kann unter Umständen zu einer Gesichtslähmung (Fazialislähmung) führen. Solch eine plötzlich auftretende Lähmung der Gesichtsmuskulatur wird von den Betroffenen oft als dramatisch erlebt, da sie in ihrer Mimik auf einmal stark eingeschränkt sind. In der Regel ist dieser Zustand aber nicht akut gefährlich und nicht von langer Dauer.  

„In der überwiegenden Anzahl der Fälle von Gesichtslähmung kann keine erkennbare Ursache für die Beschwerden gefunden werden. Es wird vermutet, dass verschiedene Faktoren zu entzündlichen Schwellungen führen, die den Nervenkanal verengen und dadurch Druck auf den Nerv ausüben. Der Großteil dieser Erkrankungen heilt meist von alleine nach kurzer Zeit ab oder bildet sich unter Therapie wieder vollständig zurück“, sagt Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN). „In jedem Fall sollten die Beschwerden jedoch neurologisch abgeklärt werden, um eine eindeutige Diagnose zu stellen und um andere Erkrankungen – insbesondere einen Schlaganfall – auszuschließen.“ Für eine Gesichtslähmung können neben Entzündungen durch Zugluft auch Vireninfektionen (zum Beispiel Herpes simplex oder Herpes Zoster), Knochenbrüche oder eine Infektion mit Borrelien sowie weitere Grunderkrankungen die Ursache sein.

Risikofaktoren: hoher Blutdruck, Stress und Diabetes mellitus

Eine Fazialisparese kann in jedem Alter auftreten, wobei die meisten Patienten im mittleren Alter sind. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen, wobei die Erkrankung während der Schwangerschaft etwas gehäuft auftritt. Als Risikofaktoren gelten hoher Blutdruck und Diabetes mellitus. Darüber hinaus kann extremer Stress eine Gesichtslähmung begünstigen.

Fazialisparese zeigt sich oft durch halbseitige Gesichtslähmung

Dass eine Beeinträchtigung des Gesichtsnervs beziehungsweise des Nervus facialis vorliegt, zeigt sich beispielsweise durch herabhängende Mundwinkel und ein unvollständig geschlossenes Auge. Je nach Lage des Schädigungsorts können außerdem eine vermehrte Tränenausschüttung, eine intensivere Hörempfindung, Geschmacksstörungen, eine verminderte Speichelproduktion sowie Schmerzen im Bereich des Ohrs als Symptome auftreten. Die Lähmung kann sich über mehrere Stunden bis zur Dauer von zwei Tagen entwickeln. Der Höhepunkt wird innerhalb von drei Wochen erreicht. Die Fazialislähmung kann auf eine Gesichtshälfte beschränkt bleiben. „Zu einer einseitigen Lähmung kann es auch durch Tumoren, Schlaganfälle oder Hirnblutungen kommen. Diese Erkrankungen gehen jedoch häufig mit weiteren Lähmungserscheinungen einher – etwa eines Armes oder einer Hand“, so der Nervenarzt.

Therapie und Prognose hängen von Ursache und Schweregrad ab

Therapie und Prognose richten sich nach Ursache und Schwere der Schädigung. Liegen beispielsweise Infektionen zugrunde, können diese mit einem Virostatikum oder einem Antibiotikum behandelt werden. Für die Behandlung der Beschwerden stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung – zum Beispiel die Gabe von Kortison oder Schmerzmedikamenten sowie krankengymnastische Übungen der Gesichtsmuskulatur. Ist es nicht möglich, das Auge zu schließen, muss es nachts und tagsüber feucht gehalten und durch eine Augenklappe oder eine Brille geschützt werden. „Grundsätzlich ist der weitere Krankheitsverlauf umso schlechter, je vollständiger die Lähmung ist. Heilt die Erkrankung nicht vollständig aus und bleibt die Mimik dauerhaft entstellt, kann dies für die Betroffenen eine große psychische Belastung darstellen. In den wenigsten Fällen ist aber mit deutlichen Dauerfolgen wie Gesichtsasymmetrie zu rechnen. Dann können plastische Operationen in Erwägung gezogen werden“, erklärt Bergmann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Bundesverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN): Zugluft kann Gesichtslähmung nach sich ziehen
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung