Jede Minute zählt

Bei Schlaganfällen zählt jede Minute – das ist bekannt. Doch wie viele Tage mehr Lebenszeit bringt sie dem Patienten? Das zeigt eine aktuelle Studie.

Krankenwagen © Thinkstock
(Gütersloh – 13.05.2014) Aktuelle Befragungen zeigen, dass viele Menschen die Symptome eines Schlaganfalls nicht richtig deuten und im Notfall nicht das Richtige tun – die 112 wählen. Wo dramatische Appelle nicht wirken, sollen jetzt nüchterne Zahlen wachrütteln. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie liefert den Stoff, den sich Akutmediziner wünschen – eine einfache Gleichung: Jede gewonnene Minute in der Akutversorgung bringt dem Patienten zwei Tage mehr gesundes Leben.  

„Time is brain“ lautet der altbekannte Grundsatz der Neurologen in der Schlaganfallversorgung. Denn: Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht ausreichend mit Blut versorgt, Gehirnzellen sterben ab. Die Standardtherapie von Gefäßverschlüssen im Gehirn ist die sogenannte Thrombolyse, die medikamentöse Auflösung des Gerinnsels. Je länger die Unterversorgung dauert, desto schwerer sind die Folgen. Die Lyse muss also so schnell wie möglich begonnen werden. Somit hängt die Prognose eines Schlaganfallpatienten entscheidend von drei Faktoren ab: Haben Patient und Umfeld richtig reagiert, den Schlaganfall erkannt und den Notruf gewählt?  Kommt der Patient auf eine Stroke Unit, also eine Schlaganfall-Spezialstation? Und: Wie gut funktionierte die Behandlungskette in der Notfall- und Akutversorgung?

Wie sehr sich Eile lohnt, lässt sich jetzt genau beziffern

Das alles ist lange bekannt. Doch wie groß genau der Effekt der Geschwindigkeit ist – oder anders formuliert: wie sehr sich die Eile lohnt – konnte bisher nicht konkret beziffert werden. Dem Finnen Dr. Atte Meretoja ist es jetzt gemeinsam mit Kollegen in Helsinki und im australischen Melbourne gelungen, den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit in der Akutversorgung und der zu erwartenden gesunden Lebensdauer und Lebensqualität statistisch zu berechnen. „Save a minute, save a day“ lautet der Titel des Aufsatzes, der soeben im amerikanischen Fachmagazin „Stroke“ erschienen ist. Darin stellen die Forscher die Ergebnisse einer 13-jährigen Beobachtungsstudie (1998 – 2011) in australischen und finnischen Schlaganfall-Zentren dar. Untersucht wurden 2258 Schlaganfall-Patienten.

Jüngere Patienten profitieren noch stärker

Ergebnis der Studie: Jede Minute, mit der nach einem akuten Schlaganfall früher mit der Thrombolyse begonnen wird, verschafft dem Patienten durchschnittlich 1,8 gesunde Lebenstage mehr. Stark abhängig ist dieser positive Effekt vom Alter des Patienten und von der Schwere des Schlaganfalls. Jüngere Betroffene (unter 50 Jahren) mit schwerem Infarkt profitieren noch deutlich stärker – sie gewinnen 3,5 Tage Leben mit jeder Minute.  

Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Schlaganfall-Symptome bekannter zu machen und die Bevölkerung für die Bedeutung des Notrufs 112 zu sensibilisieren. Autor Atte Meretoja selbst zieht ein hoffnungsvolles Fazit: „Das Bewusstsein für diese konkrete Bedeutung des Faktors Zeit könnte die bisherige Praxis verändern.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.05.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
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