Warum wir gähnen

Wir gähnen, wenn wir müde oder gelangweilt sind, manchmal auch unter Stress. Aber warum eigentlich? Das haben Forscher jetzt untersucht.

Baby gähnt © Thinkstock
(Wien – 09.05.2014) Warum gähnen wir? Wir neigen zum Gähnen bevor wir schlafen gehen oder nach dem Aufwachen, wenn wir uns langweilen oder uns die Inspiration fehlt. Wir gähnen in Erwartung wichtiger Ereignisse und unter Stress. Was haben all diese Dinge gemeinsam? Wissenschaftler der Universität Wien, der Nova Southeastern University und des SUNY College in Oneonta haben herausgefunden, dass Gähnen unter anderem der Thermoregulierung – insbesondere zur Kühlung des Gehirns – dient.

Gähnen findet nur unter optimalen Temperaturbedingungen statt

Schlafzyklen, Erregungszustände in der Hirnrinde und Stress sind durch schwankende Gehirntemperaturen gekennzeichnet. Gähnen wiederum gleicht diese Temperaturunterschiede aus. Gemäß dieser Theorie und unter der Annahme, dass kalte Lufttemperaturen zu niedrigeren Gehirntemperaturen führen, sollte Gähnen also leicht durch die Umgebungstemperatur zu manipulieren sein. Denn, so die Hypothese der Wissenschaftler: Gähnen findet nur unter optimalen Temperaturbedingungen – in einem sogenannten „Wärmefenster“ – statt.

Um das zu testen, untersuchten die Wissenschaftler die „ansteckende“ Gähnfrequenz von Fußgängern auf den Straßen Wiens – sowohl in Sommer- als auch in Wintermonaten. Dann verglichen sie ihre Ergebnisse mit den Ergebnissen einer identen, früheren Studie im trockenen Klima von Arizona. Passanten wurden gebeten, eine Bilderserie von gähnenden Menschen zu betrachten und über ihr eigenes Gähnverhalten zu berichten.

Optimale Umgebungstemperatur: etwa 20 Grad Celsius

Fazit der Untersuchung: Die Wiener gähnten im Sommer mehr als im Winter, während die Befragten in Arizona umgekehrt mehr im Winter als im Sommer gähnten. Es zeigte sich auch, dass es nicht um die Jahreszeit selbst oder um die Anzahl der Tageslichtstunden geht, sondern darum, dass „ansteckendes“ Gähnen vielmehr von optimalen Umgebungstemperaturen um rund 20 Grad Celsius abhängig ist.  

Das „ansteckende“ Gähnen nahm mit den relativ hohen Sommertemperaturen von 37 Grad Celsius in Arizona und den niedrigen, rund um den Gefrierpunkt liegenden Wintertemperaturen in Wien ab. „Gähnen als Thermoregulation für das Gehirn kann nicht funktionieren, wenn die Umgebungstemperatur und Körpertemperatur gleich hoch sind. Bei Umgebungstemperaturen um den Gefrierpunkt ist dies ebenfalls nicht notwendig – oder sogar gefährlich“, sagt Jorg Massen, Erstautor der Studie.

Während die meisten Untersuchungen im Bereich „ansteckendes“ Gähnen die Betonung auf interpersonelle und emotional-kognitive Variablen legen, liefert die neue Studie ergänzende Erkenntnisse: Sowohl spontanes als auch „ansteckendes“ Gähnen dient auch dazu, die Temperatur des Gehirns zu regulieren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.05.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Universität Wien
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