Schrittmacher fürs Gehirn

Die Tiefe Hirnstimulation kann Parkinson-Patienten zu mehr Lebensqualität verhelfen. Neue Techniken sollen die Behandlung noch weiter verbessern.

Senior mit Tasse in der Hand © Thinkstock
(Düsseldorf – 11.04.2014) In Deutschland leiden etwa 250 000 Menschen an Morbus Parkinson. Zunächst können sie mit Medikamenten gut behandelt werden. Doch wenn sich die motorischen Symptome der Parkinsonkrankheit mit Medikamenten nicht mehr kontrollieren lassen, gilt eine Therapie mit Hirnschrittmachern – die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS) – seit vielen Jahren als hochwirksame Behandlung im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium.  

Experten setzen die THS bisher schon bei jüngeren Patienten ein und verbessern deren Lebensqualität so um bis zu 26 Prozent. Betroffene könnten aber noch mehr von dieser Behandlung profitieren, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) anlässlich des heutigen Welt-Parkinson-Tags. Derzeit testen Düsseldorfer Forscher neue Stimulationsverfahren, die die Parkinson-Therapie weiter verbessern könnten.

2013 bekamen 800 Parkinsonpatienten einen Hirnschrittmacher

Morbus Parkinson ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie tritt vor allem ab dem 50. Lebensjahr auf und äußert sich durch Bewegungsstörungen, bedingt durch zittrige oder steife Muskeln. Um diese Symptome zu lindern, setzten Spezialisten in Deutschland im vergangenen Jahr rund 800 Parkinson-Patienten feine Elektroden in einen bestimmten Gehirnabschnitt ein. Über eine Fernbedienung wird ein Schrittmacher programmiert und aktiviert, der unter dem Schlüsselbein sitzt und die Elektroden mit Strom versorgt. „Die Elektroden geben auf diese Weise schwache Stromimpulse an umliegende Nervenzellen ab, was die unkontrollierten Bewegungen vermindert und zu einer besseren Beweglichkeit führt“, erklärt der Düsseldorfer Parkinson-Experte und Vizepräsident der DGKN Professor Dr. med. Alfons Schnitzler.

Schrittmacher lindert Symptome bei Jüngeren besser als Medikamente

Während Parkinson-Patienten bis vor Kurzem einen solchen Hirnschrittmacher erst nach etwa zwölf Jahren Krankheitsdauer erhielten, setzen Ärzte ihn heute in bestimmten Fällen bereits nach durchschnittlich sechs Jahren ein – mit guten Erfolgen. So lindert die THS Symptome bei diesen jüngeren Betroffenen stärker als eine optimierte medikamentöse Behandlung und verbessert somit die Lebensqualität.

„Erstaunlicherweise führt die THS in dieser Patientengruppe nicht nur zur Verbesserung der motorischen Symptome – die Patienten schätzen auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit als verbessert ein“, sagt Professor Schnitzler, Leiter der Abteilung Bewegungsstörungen und Neuromodulation der Neurologischen Klinik an der Uniklinik Düsseldorf. „Leider kommen Parkinson-Patienten häufig gar nicht zum Spezialisten, um eine Hirnschrittmacher-Therapie für sich zu erörtern, oder sie stellen sich zu spät vor, wenn sich ihre Lebensqualität bereits unwiderruflich verschlechtert hat.“

Neue Schrittmacher-Modelle sollen sich Hirnaktivität anpassen

Um die THS noch weiter zu verbessern, erforscht das Düsseldorfer Team um Schnitzler in Kooperation mit anderen Arbeitsgruppen neue Stimulationstechniken, die durch technische Weiterentwicklungen möglich geworden sind. „Wir gehen davon aus, dass beispielsweise durch kürzere Impulszeiten bessere Ergebnisse erzielt werden können“, so Schnitzler.

Derzeit wird auch ein neues Hirnschrittmacher-Modell getestet, das die elektrischen Impulse an die Gehirnaktivität anpassen soll. „Der erweiterte Stimulator gibt nicht nur Impulse an das Gehirn, er misst auch die Aktivität der Nervenzellen“, erklärt der Neurologe und Neurophysiologe. Ziel ist die Entwicklung eines adaptiven Hirnschrittmachers, der die Stimulation dynamisch an die Eigenaktivität der krankhaften Nervenzellen anpasst – bisher ist eine gleichmäßige Dauerstimulation üblich.  

Weltweit testen mehrere Zentren die neue Technik. „Die meisten davon befinden sich in Deutschland – etwa in Düsseldorf, Würzburg, Köln, München und Berlin. „Bei der Weiterentwicklung der THS ist Deutschland führend“, sagt Schnitzler. „Wir möchten alle Parkinson-Patienten dazu ermuntern, sich früher von spezialisierten Neurologen untersuchen zu lassen, um zu prüfen, ob eine Tiefe Hirnstimulation für sie infrage kommt.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.04.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
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