Wenn das Gesicht schmerzt

Stechende Schmerzen im Gesicht, die ganz plötzlich auftreten: eine Trigeminusneuralgie. Was das ist und wie die Krankheit behandelt wird.

Frau hat Schmerzen © Thinkstock
(Krefeld – 20.03.2014) Plötzlich einschießende, stechende Schmerzen im Gesicht können auf eine Reizung des Nervus trigeminus zurückgehen. „Der in der Regel einseitig auftretende Schmerz tritt bevorzugt am Ober‐ und Unterkiefer, den Wangen, der Lippe, am Kinn oder auch der Nase auf. Diese Beschwerden werden von Betroffenen als extrem heftig, geradezu ‚vernichtend‘ beschrieben. Typisch ist, dass sich das Gesicht dann schmerzhaft verzieht und Betroffene die Gesichtshälfte durch Vorhalten der Hand zu schützen versuchen. Am Ende des Anfalls ist der betroffene Bereich meist warm und gerötet“, erklärt Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN).

Kurzschluss im Nervengewebe

„Die Schmerzattacken dauern in der Regel wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten an und können über Tage oder Monate salvenartig wiederkehren. Zwischen den Attacken sind Phasen völliger Beschwerdefreiheit“, so der Experte. Die Ursache für die einschießenden Schmerzattacken ist ein zu enger Kontakt zwischen einer Hirnarterie und der Wurzel des Trigeminusnervs am Hirnstamm. Durch das pulsierende Blutgefäß wird der Nerv dauerhaft gereizt und es kommt zu einem Kurzschluss innerhalb des Nervengewebes – das löst die starken Schmerzen aus.

Äußere Reize können Schmerzen auslösen

Während zu Beginn der Erkrankung die Schmerzattacken vorwiegend spontan einsetzen, werden sie im weiteren Verlauf der Erkrankung durch äußere Reize stimuliert. „Auslösende Reize – sogenannte Trigger – können Berührungen, ein kalter Luftzug aber auch Kauen, Trinken, Sprechen, Schlucken oder die Gesichtsmimik sein“, sagt Bergmann. „In der Regel nehmen Intensität und Häufigkeit der Beschwerden im Krankheitsverlauf zu, wobei sich die Abstände zwischen den einzelnen Attacken verkürzen.“  

Problematisch ist, dass Menschen, die über Jahre an den Beschwerden leiden, ein Vermeidungsverhalten entwickeln und beispielsweise nicht mehr nach draußen gehen, wenn kalte Luft bei ihnen die Schmerzen auslöst. Andere Betroffene rasieren oder waschen ihr Gesicht nicht mehr, wenn schon leichte Berührungen die Schmerzattacken einleiten. „Begleitet wird die Trigeminusneuralgie häufig von einer depressiven Verstimmung, die als Folge der starken Schmerzzustände auftritt“, erklärt der Nervenarzt. „Auch diese Tatsache unterstreicht die Wichtigkeit einer fachärztlichen Behandlung.“

Andere Erkrankungen als Schmerzursache ausschließen

Vor einer Therapie ist es wichtig, durch sorgfältige neurologische Untersuchungen andere Erkrankungen auszuschließen. „Von einer Trigeminusneuralgie müssen beispielsweise sogenannte Cluster‐Kopfschmerzen sowie Zahn‐ und Kieferbeschwerden abgegrenzt werden. Mithilfe einer Kernspintomografie können weitere Erkrankungen wie beispielsweise Tumore oder Gefäßmissbildungen als Ursache ausgeschlossen werden und die Diagnose Trigeminusneuralgie gesichert werden“, so Bergmann.  

Tritt die neurologische Erkrankung, wie es meist der Fall ist, scheinbar ohne greifbare Ursache auf, wird sie als idiopathische Trigeminusneuralgie bezeichnet. Kommt es im Rahmen anderer Erkrankungen – etwa einer Multiplen Sklerose (MS), einer Post‐Zoster‐Neuralgie (PZN) oder seltenen Tumoren (Neurinome) – zur Entwicklung von Gesichtsschmerzen, spricht man von einer symptomatischen Trigeminusneuralgie.

Meist können Medikamente den Schmerzen entgegenwirken

Bei 90 Prozent der Betroffenen lässt sich mit einer vorbeugenden medikamentösen Behandlung den Schmerzen effektiv entgegenwirken. Sollten Medikamente keinen Erfolg zeigen, kann die Reizung des Trigeminusnervs auch durch einen operativen Eingriff oder durch Bestrahlung gelöst werden. Akupunktur als Behandlungsmaßnahme ist nicht sinnvoll, da sie die Schmerzattacken ebenfalls auslösen kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.03.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
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