Therapie bei Magersucht

Eine aktuelle Studie zeigt: Die Behandlung in Tageskliniken ist bei Magersucht genauso erfolgreich wie stationäre Klinikaufenthalte.

Trauriges Mädchen © Thinkstock
(Aachen – 07.02.2014) Magersucht lässt sich in einer Tagesklinik ebenso gut behandeln wie durch einen Klinikaufenthalt. Außerdem bringt eine tagesklinische Therapie weniger psychische Probleme für die Patienten mit sich. Das ist das Ergebnis einer Studie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen unter Beteiligung Marburger Wissenschaftlerinnen, die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde.

Magersucht: psychische Erkrankung mit der höchsten Sterberate

„Magersucht (Anorexia nervosa) ist die psychische Erkrankung mit der höchsten Mortalität und bei Mädchen die dritthäufigste chronische Erkrankung des Jugendalters“, erklärt Dr. Astrid Dempfle, Mitverfasserin der Studie. 40 Prozent aller Neuerkrankungen finden in der Jugend statt (Pubertätsmagersucht). „Es gibt wenig effektive Therapiemethoden“, ergänzt Koautorin Dr. Nina Timmesfeld, Marburger Juniorprofessorin für Biometrie und Epidemiologie. „Die Chronifizierungsrate ist sehr hoch.“

Bisher ist ein Klinikaufenthalt die medizinische Maßnahme der Wahl

Bislang gilt die stationäre Behandlung in einer Klinik als die medizinische Maßnahme der Wahl. Jugendliche empfinden jedoch den Klinikaufenthalt, der oft wochen- oder monatelang dauert, als sehr eingreifend und belastend. Die Patienten verlieren ihr soziales Umfeld. Außerdem fällt es ihnen oft schwer, das in der Therapie Erreichte auf zu Hause zu übertragen.

Heilungsergebnisse bei tagesklinischer Behandlung genauso gut

Eine tagesklinische Behandlung kann daher eine Alternative sein, wie die aktuelle Untersuchung zeigt: Die Wissenschaftler verglichen die tagesklinische mit der stationären Behandlung – zwölf Monate nach Therapiebeginn überprüften sie die Heilungserfolge. Das Ergebnis: Patienten der Tageskliniken zeigten keine geringere Gewichtszunahme als Magersüchtige, die stationär behandelt wurden. Komplikationen traten dabei gleich häufig auf, waren insgesamt aber sehr selten. Sie erwiesen sich außerdem als gut beherrschbar.

Zudem zeigte die Studie: In Bezug auf die Kosten war die tagesklinische Behandlung 20 Prozent günstiger als die stationäre Therapie. Außerdem hatten die Patienten der Tageskliniken nach einem Jahr weniger psychische Probleme als die stationär behandelten Jugendlichen. Die beteiligten Forscher hoffen nun, dass die tagesklinische Behandlung der Magersucht als übliches Behandlungsangebot etabliert wird.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.02.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Philipps-Universität Marburg
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