Autofahren mit Parkinson

Eine Studie zeigt: Die sogenannte Tiefe Hirnstimulation (THS) könnte Menschen mit Parkinson möglicherweise helfen, sicherer Auto zu fahren.

Auto fahren © Thinkstock
(Hamburg – 19.12.2013) Die Tiefe Hirnstimulation (THS) kann sich möglicherweise positiv auf die akute Fahrsicherheit und die generelle Fahrtauglichkeit von Menschen mit einer Parkinson-Erkrankung auswirken. In einer Studie haben Patienten mit einem sogenannten Hirnschrittmacher weniger Fehler beim Autofahren gemacht als Patienten ohne ein entsprechendes Implantat. Die Studie von Forschern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) wurde jetzt in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.

Fahreignung wird alle ein bis vier Jahre beurteilt

Parkinson-Patienten dürfen nur bei erfolgreicher Therapie oder in leichten Fällen der Erkrankung Auto fahren. So sehen es die Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung der Bundesanstalt für Straßenwesen vor. Die Fahreignung muss krankheitsbezogen in Abständen von ein bis vier Jahren ein Arzt oder Psychologe beurteilen. „Leiden Parkinson-Patienten unter Demenz, schweren motorischen Beeinträchtigungen wie Tremor, sehen sie doppelt, können sie den Abstand nicht mehr richtig einschätzen oder ist ihre Reaktion deutlich verlangsamt, dürfen sie nicht mehr Auto fahren“, sagt Studienleiter Priv.-Doz. Dr. Carsten Buhmann, Leiter des Bereichs Neurologie im Ambulanzzentrum des UKE. Auch Parkinson-Medikamente können die Fahrtüchtigkeit einschränken – zum Beispiel wenn sie Einschlafattacken oder Halluzinationen verursachen.

Hirnstimulator sendet elektrische Impulse ans Gehirn

Bei der Tiefen Hirnstimulation sendet ein zuvor operativ eingesetzter Hirnstimulator – ähnlich einem Herzschrittmacher – elektrische Impulse an das Hirn. An der Studie nahmen 23 Parkinson-Patienten mit eingesetzten Hirnschrittmachern, 21 Parkinson-Erkrankte ohne solche Implantate und 21 gesunde Menschen teil. Alle Probanden sind in den vergangenen drei Jahren mindestens einmal pro Woche mehr als 30 Minuten Auto gefahren.  

Getestet wurde in einem Simulator, wobei die Studienteilnehmer mit Hirnstimulator den Test dreimal absolvierten: mit eingeschaltetem Hirnschrittmacher, mit abgeschaltetem Implantat sowie ein weiteres Mal mit abgeschaltetem Stimulator und nachdem sie ein Parkinson-Medikament eingenommen hatten. Unter anderem wurde die Anzahl der leichten, mittelschweren und schweren Fahrfehler gemessen. Als geringfügige Fahrfehler wurden zum Beispiel leichte Geschwindigkeitsüber- oder –unterschreitungen gewertet. Zu den schweren Fahrfehlern zählte etwa das Nichtbeachten eines Fußgängers.

Mit Stimulator weniger leichte Fahrfehler als bei gesunden Probanden

Die Studie ergab, dass die Parkinson-Patienten mit Stimulator zwar insgesamt langsamer und vorsichtiger fuhren, aber letztlich ähnlich sicher wie die gesunden Teilnehmer aus der Kontrollgruppe. In der Kategorie „geringfügige Fahrfehler“ machten sie sogar weniger Fehler als die gesunden Probanden. Die Parkinson-Patienten ohne Hirnschrittmacher fuhren schlechter als die gesunden Probanden und als die Patienten mit Stimulator, obwohl sie weniger schwer und kürzer erkrankt waren. Zudem fuhren die Parkinson-Patienten mit eingeschaltetem Hirnschrittmacher bei vergleichbarer Motorik fehlerfreier als unter dem Einfluss des Parkinson-Medikaments. So machten sie mit eingeschaltetem Hirnstimulator elf Fahrfehler. Im Vergleich dazu verursachten sie im Schnitt 13 Fehler nach Medikamenteneinnahme und 14 Fehler ohne Medikament und mit ausgeschaltetem Stimulator.  

Unterm Strich steht für Neurologe Buhmann nach Auswertung der Studie fest: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Parkinson-Patienten mit Hirnschrittmacher schlechter Auto fahren als Erkrankte ohne Implantat. Im Gegenteil deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass sich durch den Schrittmacher einige Aspekte der Fahrsicherheit sogar verbessern können. Patienten mit Tiefer Hirnstimulation sollten daher hinsichtlich der ärztlichen Fahrberatung nicht restriktiver behandelt werden als andere Parkinson-Erkrankte.“ Andererseits ist natürlich die Hoffnung auf besseres Autofahren allein kein Grund für die Implantation eines Hirnschrittmachers.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.12.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
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