Essstörung Binge Eating

Menschen mit Binge-Eating-Störung leiden unter unkontrollierten Essattacken. Bleibt die Essstörung unbehandelt, droht Übergewicht. 

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(Berlin – 11.12.2013) Die sogenannte Binge‐Eating‐Störung (BES) tritt häufiger auf als die bekannteren Essstörungen Magersucht und Ess-Brech-Sucht. Charakteristisches Merkmal für die BES sind unkontrollierte Essattacken, bei denen Betroffene große Mengen essen – mehr als die meisten anderen Menschen in ähnlicher Zeit und unter ähnlichen Umständen zu sich nehmen würden. Betroffene leiden unter diesem Essverhalten, zögern jedoch oft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Essgestörte Menschen begeben sich häufig über lange Zeit nicht in Behandlung. Insbesondere beim Binge Eating sowie auch bei der Ess‐Brech-Sucht hindern oft Schamgefühle Betroffene daran, sich helfen zu lassen. Viele erleben mehrere gescheiterte Selbstheilungsversuche, die das Selbstwertgefühl weiter beeinträchtigen“, berichtet Prof. Manfred Fichter von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN).

„Der erste Schritt für eine erfolgreiche Therapie ist es, sich einzugestehen, dass man eine Essstörung hat und Hilfe benötigt. Je nachdem wie ausgeprägt sie vorliegt, stehen verschiedene Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten offen“, so der Experte. Erster Anlaufpunkt kann eine Beratungsstelle sein, die unverbindlich über Hilfsmöglichkeiten informiert. Betroffene können aber auch ihren Hausarzt ansprechen.

Scham und Schuldgefühle treten meist erst nach den Essattacken auf

Im Unterschied zur Ess‐Brech-Sucht (Bulimia nervosa) werden bei der BES keine Gegenmaßnahmen – zum Beispiel Erbrechen oder Abführmittel – ergriffen. Das führt dazu, dass Betroffene meist übergewichtig sind. Übergewicht muss jedoch nicht zwangsläufig auftreten.  

„Menschen mit Ess-Brech-Sucht verspüren in der Regel schon während der Nahrungsaufnahme Schamgefühle und Unwohlsein. BES-Patienten hingegen können Essen, Anblick und Geruch der Speisen meist genießen – sie erfahren beim Verzehr eine Form von Entspannung oder Erleichterung. Scham oder Selbstverachtung sowie depressive Verstimmung und Schuldgefühle treten meist erst nach der Essattacke auf“, erklärt Fichter. Auf eine BES deutet hin, wenn Menschen bei Essattacken übermäßig schnell essen und große Nahrungsmengen zu sich nehmen, obwohl sie eigentlich satt sein müssten. Die Essattacken kommen immer wieder. Meist finden sie statt, wenn die Betroffenen alleine sind. In Gemeinschaft essen sie normal.

Zusammenspiel verschiedener Faktoren führt zu BES

Als Risikofaktoren für diese Art von Essstörung gelten unter anderem ein ausgeprägter Schlankheitsdrang, Unzufriedenheit mit der Figur und eine Überbewertung der äußeren Erscheinung. Auch ein geringes Selbstwertgefühl, wenig soziale Unterstützung sowie depressive Symptome und emotionales Essverhalten erhöhen das Risiko. Bei einem Teil der Betroffenen liegen parallel Depressionen, Angsterkrankungen oder andere psychische Erkrankungen vor. „Essattacken werden zum Abbau innerer Spannungszustände eingesetzt oder auch zur Stimmungsaufhellung. Als Auslöser kommen beispielsweise negative Stimmungen, Frustration, Wut, Traurigkeit oder auch Angst in Frage. Doch auch positive Emotionen können zu einer Essattacke führen“, ergänzt der Experte. Eine Therapie ist wichtig, denn bleibt die BES unbehandelt, drohen Übergewicht und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken wie etwa Bluthochdruck.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.12.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
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