Umgang mit Alkoholsucht

Bei einer Alkoholsucht benötigt in erster Linie der Betroffene selbst Hilfe – aber auch für Angehörige ist Beratung und Selbsthilfe wichtig.

Alkoholsucht © Thinkstock
(Bern – 06.11.2013) Alkoholsucht ist nicht immer leicht zu erkennen, da die Betroffenen dazu neigen, sie zu verharmlosen oder gar zu leugnen. Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit verändern sich in der Regel zunehmend in ihrem Verhalten und zeigen verschiedene psychische und soziale Auffälligkeiten.  

Dazu gehören unter anderem ausweichendes oder aggressives Verhalten, Stimmungsschwankungen und Schuldgefühle. Meist neigen sie dazu, Schwierigkeiten zu bagatellisieren. „Teil des Krankheitsbilds ist es auch, dass die Einsicht fehlt, abhängig zu sein. Manche Suchterkrankte brauchen Jahre, bis sie sich ihre Erkrankung eingestehen und bereit sind, professionelle Hilfe anzunehmen“, berichtet Dr. Robert Hämmig von der Schweizer Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP).

Verständnis und Bereitschaft zur Unterstützung signalisieren

Besteht der Verdacht, dass der Partner, ein Angehöriger oder Freund alkoholabhängig ist, sollte man das Gespräch suchen und ihn dazu motivieren, eine Beratungsstelle oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufzusuchen. „Mit einem Alkoholkranken sollte jedoch möglichst über seine Erkrankung und über Hilfsmöglichkeiten gesprochen werden, wenn er einen nüchternen Eindruck macht – nicht im Zustand der Volltrunkenheit. Wichtig dabei ist, Verständnis und vor allem auch Unterstützung zu signalisieren, wenn er etwas gegen seine Erkrankung unternimmt. Vorwürfe müssen vermieden werden, denn der Kranke macht sich diese in der Regel selbst“, ergänzt der Suchtexperte.

Hilfe bei Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Angehörige

Bei einer Alkoholsucht ist der Umgang mit der Erkrankung nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für den Partner und die Angehörigen schwierig. Für sie ist es dann wichtig, bis zur erfolgreichen Behandlung selber mit der Situation klarzukommen und sich nicht aufzureiben. „Angehörige oder Freunde von Alkoholkranken sollten für sich selbst eine Beratungsstelle aufsuchen und sich gut über das Erkrankungsbild informieren. Das kann für sie den Umgang mit der Situation erleichtern und sie ein Stück weit vor Kränkungen durch den Alkoholkranken schützen“, rät Hämmig. „Auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein, weil sie dort offen über ihre Probleme sprechen können und das Verständnis und die Toleranz gegenüber Problemen groß sind.“ Grundsätzlich ist es wichtig, dass Angehörige auch an ihre eigene psychische Gesundheit denken und lernen, sich hierfür konsequent zu verhalten und sich Freiräume zu erhalten.

Co-Abhängigkeit kann bis hin zur eigenen Sucht führen

Viele Angehörige, die die Folgen von Alkohol und Alkoholabhängigkeit zu spüren bekommen, schämen sich und erzählen niemandem von ihren Problemen. Manche bemühen sich jahrzehntelang, den Schein zu wahren und den Betroffenen zu unterstützen. „Man sollte jedoch den Süchtigen nicht dabei unterstützen, seine Suchterkrankung zu kaschieren, ihn aus der Verantwortung für seine Situation zu entlassen, sein Verhalten zu entschuldigen oder gar zu decken. Dadurch kann sich für die Angehörigen ein Leben entwickeln, dass zu großen Teilen von der Abhängigkeit des Partners gesteuert wird. Diese sogenannte Co‐Abhängigkeit gefährdet dann deren psychische Gesundheit – mögliche Folgen können unter anderem Nervosität und Schlaflosigkeit, Magenerkrankungen, Depressionen bis hin zur eigenen Suchterkrankung sein“, so der Experte.  

Für Probleme, die durch die Abhängigkeit entstehen, sollte der Betroffene selber geradestehen: „Eine positive Änderung des Trinkverhaltens kann nur dann stattfinden, wenn der Süchtige bereit ist, sich helfen zu lassen und etwas zu unternehmen. Das ist in der Regel nur dann der Fall, wenn die Betroffenen die Verantwortung für ihr Handeln selbst tragen müssen und sich auch mit den negativen Konsequenzen auseinandersetzen“, sagt Hämmig.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.11.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
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