Jeder Fünfte im Dauerstress

Die Deutschen sind immer gestresster – vor allem Frauen und die sogenannte Sandwich-Generation. Das sind die Ergebnisse einer neuen Stress-Studie.

Stress © Thinkstock
(Berlin – 31.10.2013) Fast 60 Prozent aller Deutschen empfinden ihr Leben als stressig – jeder Fünfte steht sogar unter Dauerdruck. Dabei sind Frauen gestresster als Männer. Besonders betroffen sind auch die Menschen von Mitte 30 bis Mitte 40 – die sogenannte Sandwich-Generation. Sie müssen Kinder und Karriere unter einen Hut bringen. Und auch die eigenen Eltern benötigen oft immer mehr Hilfe. In dieser Altersgruppe sind acht von zehn gestresst, jeder Dritte sogar ständig. Und der Stresspegel steigt immer weiter: Mehr als jeder Zweite findet, dass sein Leben in den vergangenen drei Jahren stressiger geworden ist. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Größter Stressfaktor: der Job

Der größte Stressfaktor ist der Job – er wurde von zwei Dritteln aller Befragten genannt. Gefolgt von den hohen Ansprüchen, die die Menschen an sich selbst stellen. „Nicht immer sind äußere Umstände die Ursache für die Anspannung, oft ist es auch eine Frage der inneren Einstellung“, sagt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands. Als alarmierend bezeichnet er allerdings die Tatsache, dass sich bereits 40 Prozent der Berufstätigen abgearbeitet fühlen – jeder Dritte sogar ausgebrannt.

Doch Stress ist nicht grundsätzlich negativ: „Entscheidend ist, dass man über genügend Ressourcen verfügt, die man dem Stress entgegensetzen kann“, so Baas. Und vielen gelingt das auch: Jeder zweite Berufstätige sagt, dass Stress ihn anspornt, jeder fünfte läuft unter Druck sogar erst richtig zu Hochform auf.

Arbeitsbelastung häufig nicht allein für den Stress verantwortlich

Oft ist es nicht die Arbeitsbelastung im Job allein, die den Stresspegel in die Höhe treibt. Kritisch wird es, wenn soziale Belastungsfaktoren wie mangelnde – auch finanzielle – Anerkennung, zu wenig Handlungsspielraum und Konflikte mit Kollegen oder dem Chef hinzukommen. Oder wenn aufgrund von privatem Stress der Ausgleich neben der Arbeit fehlt. Besonders häufig trifft das bei berufstätigen Eltern zu. „Es ist die Work-Life-Balance, die insgesamt stimmen muss“, sagt Baas. Steht einem fordernden oder auch monotonen Job ein entsprechender Ausgleich in der Freizeit gegenüber, kann das vieles kompensieren. Doch das ist nicht so leicht umzusetzen: Jeder Zweite gibt an, dass seine Familie aufgrund des Jobs zu kurz kommt. Auch für ein abwechslungsreiches Privatleben, aus dem sie Energie ziehen könnten, fehlt besonders vielen Gestressten die Zeit.

Arbeit und Freizeit immer schlechter trennbar

Eine weitere Herausforderung für die Work-Life-Balance: Arbeit und Freizeit lassen sich immer schlechter trennen. 40 Prozent aller Berufstätigen sind immer erreichbar. Jeder Dritte kann auch nach Feierabend und am Wochenende nicht richtig abschalten. Diese ständige Bereitschaft geht auf Dauer an die Substanz. So ist der Stresspegel auch in der Freizeit hoch, Körper und Seele können sich nicht richtig regenerieren. Die Studie zeigt: Je gestresster ein Mensch ist, desto mehr Beschwerden hat er – etwa Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Gereiztheit.  Das trifft auch bei seelischen Beschwerden zu. Mehr als 40 Prozent der Menschen mit hohem Stresslevel hatten in den letzten Jahren psychische Beschwerden wie Burnout oder Depressionen.

Jeder Zweite ist sehr zufrieden mit dem Verlauf seines Lebens

Doch die Studie zeigt auch positive Ergebnisse: Jeder zweite Deutsche ist sehr zufrieden mit dem Verlauf seines Lebens. Dabei sind Frauen zufriedener als Männer und ältere Menschen empfinden mehr Zufriedenheit als jüngere. Allerdings bewertet nur jeder Dritte, der oft unter Stress steht, seinen bisherigen Lebensweg als vollkommen gelungen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 31.10.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Bleib locker, Deutschland! TK-Studie zur Stresslage der Nation
  • Pressemitteilung der Techniker Krankenkasse: TK und Sven Hannawald stellen Stressstudie vor: Deutschland unter Druck - jeder dritte Berufstätige fühlt sich ausgebrannt
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung