Depressiv nach Schlaganfall

Viele Menschen erleiden nach dem Schlaganfall eine Depression. Eine frühzeitige Behandlung kann nicht nur die depressiven Symptome lindern.

trauriger alter Mann © Thinkstock
(Berlin – 28.10.2013) Nach einem Schlaganfall leidet jeder dritte Patient an einer Depression. Eine frühzeitige Behandlung kann sie abschwächen oder sogar verhindern. Die Medikamente stabilisieren dabei nicht nur die Psyche, sie können auch einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitation leisten. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) empfiehlt daher, alle Schlaganfall-Patienten frühzeitig auf depressive Symptome zu untersuchen.

Mögliche Ursachen für die Depression

„Für Menschen, die von heute auf morgen halbseitig gelähmt sind, ihre Sprachfähigkeit verloren haben oder nur noch eingeschränkt sehen können, ist Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression eine verständliche Reaktion“, sagt Professor Dr. med. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité. Jeder dritte Patient erleidet nach Auskunft des DSG-Vorsitzenden eine sogenannte Post-Schlaganfall-Depression. Besonders häufig sind Frauen, ältere Menschen und solche ohne soziale Unterstützung betroffen. Auch Menschen mit bereits vorhandenen psychischen Störungen oder kognitiven Einschränkungen erleiden nach dem Schlaganfall häufiger eine Depression.

Die Depression ist jedoch nicht nur eine psychische Reaktion auf die Behinderungen. Sie kann auch biologische Folge des Schlaganfalls sein. „Zusätzlich zu psychischen Reaktionen spielen offensichtlich biologische Mechanismen eine Rolle, die durch den Schlaganfall im Gehirn ausgelöst werden“, erläutert Endres. Dies erkläre beispielsweise, warum Depressionen nach einem Schlaganfall häufiger seien als bei orthopädischen Erkrankungen mit vergleichbarem Behinderungsgrad.

Medikamente beeinflussen nicht nur die Depression

Depressionen können bei Schlaganfall-Patienten durch Medikamente gelindert werden. Zum Einsatz kommen heute unter anderem Mittel, die die Übertragung von Nervenimpulsen durch den Botenstoff Serotonin steigern. Diese sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder SSRI haben bei Schlaganfall-Patienten möglicherweise einen Zusatznutzen.

„Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass SSRI die Funktion von Hirnzellen stabilisieren und in einigen Hirnregionen die Neubildung von Hirnzellen anregen. Im Schlaganfall-Modell beugen sie nicht nur dem Auftreten von depressivem Verhalten vor, sondern können das Absterben von Nervenzellen verhindern“, berichtet Professor Endres. Das kann positive Auswirkungen auf Schlaganfall-Patienten haben: In einer Studie behandelten Ärzte Patienten nach dem Schlaganfall prophylaktisch mit dem SSRI Fluoxetin oder Plazebo – unabhängig davon, ob die Betroffenen unter Depressionen litten oder nicht. Nach drei Monaten hatten sich die Patienten, die Fluoxetin erhielten, nicht nur psychisch besser erholt als die in der Plazebo-Gruppe: „Die Beweglichkeit der zuvor gelähmten Gliedmaßen wurde deutlich gesteigert und die Patienten gewannen ihre Unabhängigkeit schneller zurück“, so Professor Endres.

Weitere Studien nötig

Daher seien Antidepressiva von großer Bedeutung für die Rehabilitation nach Schlaganfällen, erklärt DSG-Pressesprecher Professor Joachim Röther von der Asklepios Klinik in Hamburg-Altona. „Zudem ist Fluoxetin gut verträglich, in der Behandlung der Depression lange erprobt und die Therapiekosten sind gering.“ Der DSG-Experte ergänzt: „ Für einen prophylaktischen Einsatz von SSRI in der Routine benötigen wir aber nun weitere Evidenz aus klinischen Studien.“

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Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.10.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
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