Schmerzen früh behandeln

Eine Studie zeigt: Dauerhafte Schmerzen verändern Strukturen im Gehirn. Eine frühe Therapie ist bei Schmerzpatienten deshalb wichtig.

Frau mit Kopfschmerzen © Thinkstock
(München – 26.09.2013) Schmerzen entstehen immer im Kopf, doch was passiert dabei mit dem Gehirn? Eine jetzt veröffentlichte Studie im Fachjournal „Pain“, die im Rahmen des EU-Forschungsnetzwerks „Europain“ durchgeführt wurde, zeigt: Ein täglich fünfminütiger Schmerzreiz über elf Tage bewirkt bei gesunden Probanden, dass sich das Gehirn anatomisch umbildet. „Ähnliche Veränderungen des Gehirns lassen sich auch bei Patienten mit chronischen Schmerzen beobachten. Wir müssen also mit der Schmerztherapie so früh wie möglich beginnen, um diesen Umbauprozessen und damit der Chronifizierung von Schmerzen rechtzeitig entgegenzuwirken“, erklärt Prof. Thomas R. Tölle vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM).

Wiederholte Schmerzreize führen zur Sensibilisierung

Um die Auswirkungen wiederholter Schmerzreize genau zu untersuchen, haben Forscher des Klinikums rechts der Isar ein ausgefeiltes Schmerzstimulationsprotokoll entwickelt. Über elf Tage bekamen insgesamt27 gesunde Probanden abwechselnd acht Hitzeschmerzreize und acht nicht-schmerzhafte Wärmereize am Unterarm verabreicht. Die tägliche Gesamtdauer der schmerzhaften beziehungsweise nicht-schmerzhaften Reize betrug jeweils etwa fünf Minuten. Die Temperatur der Hitzeschmerz- beziehungsweiseWärmereize wurde individuell für jeden Probanden entsprechend der numerischen Schmerzskala (von „0 = kein Schmerz“ bis „10 = stärkster vorstellbarer Schmerz“) angepasst.

„Die Hälfte unserer Probanden wurde auf den Schmerz sensibilisiert, das heißt, sie empfanden die applizierten Reize mit zunehmender Studiendauer als unangenehmer oder schmerzintensiver“, so Dr. Anne Stankewitz von der TUM.

Sensibilisierung geht mit Veränderungen im Gehirn einher

Vor Beginn der Studie und am Ende wurden zudem kernspintomografische Aufnahmen (MRT) des Gehirns gemacht und verglichen. Tölle erläutert: „Bei den Probanden, die im Laufe der wiederholten Schmerzreizung eine Sensibilisierung aufwiesen, konnten wir eine eindeutige Abnahme der Dichte in verschiedenen Bereichen der Gehirnrinde aufzeigen. Dabei waren vor allem Gehirnstrukturen betroffen, die bei der Schmerzverarbeitung eine Rolle spielen. Bei der anderen Gruppe konnten wir hingegen keinerlei Veränderungen feststellen.“

Bemerkenswert ist, dass die Ergebnisse der Sensibilisierungs-Gruppe denen chronischer Schmerzpatienten entsprechen, die ähnliche Veränderungen im Gehirn aufzeigen. Weiterführende Studien sollten dementsprechend untersuchen, ob gesunde Probanden, die zur Sensibilisierung auf wiederholte Schmerzreize neigen, auch eine erhöhte Neigung aufweisen, chronische Schmerzen zu entwickeln.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.09.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Technischen Universität München
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