Störende Ohrgeräusche

Gesunde Menschen können störende Ohrgeräusche einfach ausblenden. Tinnitus-Patienten nehmen sie dagegen mit der Zeit immer lauter war. Was hilft.

Frau mit Tinnitus © Thinkstock
(Rostock – 12.09.2013) Ohrgeräusche sind ganz normal und tauchen bei fast allen Menschen gelegentlich auf. Sind sie dauerhaft vorhanden, spricht man von einem Tinnitus. Tinnitus-Patienten sind durch die ständigen Geräusche oft sehr beeinträchtigt. Eine Arbeitsgruppe aus Rostock ist nun dem Phänomen weiter auf den Grund gegangen und hat festgestellt, dass Tinnitus-Patienten, statt sich an immer wiederkehrende Geräusche zu gewöhnen, diesen sogar wachsende Aufmerksamkeit schenken.

Geräusche durch Habituation ausblenden

Es ist bekannt, dass bei Menschen mit einem Tinnitus die Aufmerksamkeit oft anders gesteuert wird. Man geht bei ihnen davon aus, dass der Tinnitus durch eine Fehlfunktion der neuronalen Verarbeitung verursacht wird, durch die Ohrgeräusche anstatt abgeschwächt zu werden eher verstärkt wahrgenommen werden. Der Kopf wendet die Aufmerksamkeit demnach stärker auf das Ohrgeräusch hin, anstatt das Geräusch durch abnehmende Aufmerksamkeit abzuschwächen. Den Vorhang der Abschwächung eines Signals oder Geräusches nennt man auch Habituation – zum Beispiel, wenn ein tickender Wecker in der Nacht irgendwann nicht mehr stört. Durch die fehlende Aufmerksamkeit auf das Geräusch wird das Ticken einfach ausgeblendet. Fehlende Habituation kann dagegen dazu führen, dass die Intensität des nächtlichen Wecker-Tickens zunimmt, was Betroffene dann meist als sehr störend empfinden.

Habituationseffekte mithilfe eines Elektro-Enzephalogramms erkennen

Habituationseffekte lassen sich auch mithilfe eines Elektro-Enzephalogramms (EEG) feststellen. Dabei werden dem Patienten Töne präsentiert. Auf einen bestimmten Ton muss er schnell mit Tastendruck reagieren. Normalerweise lässt sich im Verlauf von 32 Durchgängen eine Habituation, also eine Abnahme der EEG-Kurven beobachten. Die Arbeitsgruppe um den Medizinpsychologen Professor Peter Kropp aus Rostock konnte nun bei Menschen mit einer länger andauernden Tinnitus-Erkrankung zeigen, dass die EEG-Kurven sogar zunahmen. Und zwar umso stärker, je länger die Patienten bereits unter dem Tinnitus litten. Das bedeutet, dass die Betroffenen mit zunehmender Erkrankungsdauer Ohrgeräuschen eine immer größere Aufmerksamkeit schenken. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, durch den sich die Ohrgeräusche hartnäckig halten können.

Mit der Tinnitus-Retraining-Methode das Übel an der Wurzel packen

„Die Erkenntnisse der Studie weisen deutlich darauf hin, dass beispielsweise die Tinnitus-Retraining-Methode, ein sehr erfolgreiches psychotherapeutisches Habituationstraining zur Behandlung des Tinnitus, das Übel offensichtlich an der Wurzel anpacken kann“, sagt Prof. Kropp, der Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie. „Möglicherweise wird man in Zukunft die EEG-Kurven sogar nutzen können, um den Patienten ihren Trainingserfolg direkt zurückzumelden und damit das Training noch effizienter zu gestalten.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.09.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie
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