Hirn-Scan für Therapiewahl

Ein Hirn-Scan könnte in Zukunft bei Depressionen die Wahl der Behandlungsmethode erleichtern: Sind eher Psychotherapie oder Medikamente erfolgreich?

Frau ist depressiv © Thinkstock
(Berlin – 16.08.2013) Medikamente und Psychotherapie sind Behandlungsmethoden bei der Depression, die häufig miteinander konkurrieren. Beide Therapien führen auf Anhieb nur bei etwa 40 Prozent der Patienten zum Erfolg. Und manchmal vergehen mehrere Monate, bis der Psychiater ein wirksames Mittel gefunden hat. „In den vergangenen Jahren wurden daher Anstrengungen unternommen, anhand von Symptomen, Labortests oder der Bestimmung der Hirnströme den Therapieerfolg vorherzusagen“, berichtet Professor Dr. med. Detlef Moka, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner e. V. (BDN). „Doch ein geeigneter Biomarker wurde bisher nicht gefunden.“  

Mediziner der Emory Universität in Atlanta/Georgia scheinen jetzt mit einer nuklearmedizinischen Untersuchung mehr Erfolg gehabt zu haben. Die Forscher nutzen die Möglichkeiten der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die den Glukoseverbrauch und damit die Aktivität in den einzelnen Hirnregionen misst. Den Patienten werden dabei schwach radioaktiv markierte Zuckermoleküle in die Vene gespritzt, deren Verteilung im Gehirn ein PET-Scanner erfasst. Die Untersuchung ist gefahrlos, die Strahlenbelastung in etwa so hoch wie bei einer Röntgenuntersuchung. Das radioaktive Kontrastmittel scheidet der Körper nach wenigen Stunden mit Urin und Stuhl wieder aus.

Aktivitäten in einer bestimmten Hirnregion – der Insula – untersucht

Das US-Forscherteam hatte nun die Idee, bei den Aufnahmen auf die Aktivität in der sogenannten Inselrinde oder Insellappen zu achten – einer Hirnregion, die über dem Ohr liegt. „Die Insula gehört zu den Schaltstellen des Gehirns, die das Gefühlsleben beeinflussen. Der vordere Abschnitt wurde schon länger mit der schweren Depression in Verbindung gebracht“, erläutert Moka. Ergebnis der US-Studie: Ein verminderter Glukoseverbrauch in der Insula im Vergleich zum restlichen Großhirn deutet darauf hin, dass eine kognitive Verhaltenstherapie – also eine Psychotherapie – erfolgreich ist. Patienten mit einem gesteigerten Glukoseverbrauch in der Insula sprechen dagegen eher auf eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva an.

Große Bedeutung für Therapie und Verständnis der Depression

Die Studie, die in der Fachzeitschrift „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht wurde, war mit 67 Teilnehmern relativ klein. Sollten sich die Ergebnisse aber in weiteren Studien bestätigen, wären sie von großer Bedeutung – nicht nur für die Therapie, sondern auch für das Verständnis der Depression. „Depressionen sind in Deutschland fast zu einer Volkskrankheit geworden. Die Verzögerungen, die sich aus der langwierigen Suche nach einer effektiven Therapie ergeben können, sind sehr belastend für die Betroffenen und zudem ein Kostenfaktor“, sagt Moka.  

Die gegensätzliche Aktivierung der Insula könnte nach Ansicht des Experten auch darauf hinweisen, dass es zwei Varianten der schweren Depression gibt, die unterschiedlich behandelt werden müssen und denen möglicherweise auch verschiedene Ursachen zugrunde liegen. „Die PET-Technik könnte helfen, die Grundlagen der Erkrankung besser auszuleuchten“, so Moka.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.08.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: idw
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