Burnout oder Depression?

Depressionen verstecken sich inzwischen oft hinter dem Begriff Burnout. Das klingt besser. Doch diese Verharmlosung kann Folgen haben.

traurige junge Frau © Thinkstock
(Leipzig – 02.08.2013)Burnout ist sehr oft nur ein besser klingender Name für eine depressive Erkrankung. Unter diesem Label fällt es zwar vielen Betroffenen leichter, sich professionelle Hilfe zu holen, was ein großer Vorteil ist, andererseits kann aber diese „Ausweichdiagnose“ zu einer Unterschätzung der Erkrankung und einer nicht immer richtigen Behandlung führen“, darauf macht Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe aufmerksam.

Unterschätzte Depressionen

Depressionen gehören zu den am meisten unterschätzten Erkrankungen in Deutschland. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt einmal im Leben daran. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit zirka vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Von ihnen erhält  allerdings nur eine Minderheit eine optimale Behandlung.

Ursache dafür ist auch: Patienten sagen bei ihrem Arzt oder Psychotherapeuten immer öfter, sie hätten Burnout anstelle einer Depression. „Leer und ausgebrannt zu sein und an einem Burnout zu leiden, hört sich nach außen hin besser an und wird auch von der Umgebung und dem Arbeitgeber eher akzeptiert“, meint Prof. Dr. Ulrich Hegerl.

Folge: Falsche Behandlung

Ein Burnout legt nahe, langsamer zu treten, sich zu erholen, gegebenenfalls Urlaub zu machen. „Versteckt sich hinter dem Burnout aber eine Depression, wäre es ein großer Fehler so zu handeln. Die Krankheit reist mit und wird im Urlaub oft noch als unerträglicher erlebt. Längerer Schlaf führt bei Menschen mit einer Depression meist eher zu einer Zunahme der depressiven Symptome“, erläutert der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig. Schlafentzug führt erstaunlicherweise bei der Mehrzahl der depressiv Erkrankten zu einer schlagartigen Besserung.

Die Depression beim Namen nennen

„Burnout ist ein Modebegriff, übrigens ausschließlich in deutschsprachigen Ländern. Problematisch ist, dass durch die Vermengung von Stress, Burnout und anderen Befindlichkeitsstörungen mit der schweren Erkrankung Depression diese verharmlost wird. Der beste Weg für den richtigen Umgang mit der Depression ist, sie bei ihrem Namen zu nennen. Wer Burnout sagt und Depression meint, verhindert oft die richtige Therapie“, so Prof. Dr. Ulrich Hegerl. Die Behandlungsmöglichkeiten einer Depression sind heute sehr gut. Die wichtigsten Bausteine sind die Behandlung mit Antidepressiva und die Psychotherapie. „Antidepressiva wirken gezielt gegen die in der Depression gestörten Funktionsabläufe im Gehirn. Sie machen weder süchtig, noch verändern sie die Persönlichkeit.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.08.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Stiftung Deutsche Depressionshilfe
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