Essen aus Frust oder Freude

Man sitzt vor dem Fernseher und ehe man sichs versieht ist eine Chipstüte leer. Warum das so ist, haben jetzt deutsche Wissenschaftler herausgefunden.

Frau isst vor dem Fernseher © Thinkstock
(Würzburg – 11.06.2013) Abends vor dem Fernseher: Man ist schlecht gelaunt, der Film ist richtig traurig und man leidet intensiv mit – und plötzlich sind zwei Chipstüten leergegessen. Eine Erklärung für dieses Essverhalten liefern jetzt Würzburger Psychologen im Journal „PLoS ONE“.

Probanden sollten Geschmacksintensität und Fettgehalt einschätzen

Wie stark beeinflussen Emotionen die Geschmackswahrnehmung? Dieser Frage ist ein Forschungsteam um die Psychologin Petra Platte von der Universität Würzburg nachgegangen. Die Wissenschaftler zeigten ihren Versuchsteilnehmern Filmausschnitte mit lustigen, traurigen und neutralen Szenen. Davor und danach mussten die Probanden Flüssigkeiten trinken und deren Geschmack – süß, sauer oder bitter – nach seiner Intensität bewerten. Auch den Fettgehalt von Milch sollten sie anhand des Geschmacks einschätzen.  

Dabei zeigte sich: Menschen, die grundsätzlich eher negativ gestimmt waren, konnten nicht mehr zwischen fettig und fettarm unterscheiden, wenn sie davor lustige oder traurige Filmszenen gesehen hatten. Nach neutralen Szenen erkannten sie den unterschiedlichen Fettgehalt sehr wohl, ebenso vor den Videoclips. Zudem beurteilten diese Versuchsteilnehmer bittere und süße Geschmacksproben als intensiver.

Starker Einfluss von Emotionen

„Mit unseren Experimenten haben wir gezeigt, wie stark Emotionen unser Geschmacksempfinden und damit auch unser Essverhalten beeinflussen können“, sagt Petra Platte. Nach ihrer Einschätzung können die Versuchsergebnisse auch erklären, warum manche Menschen zum Beispiel vor dem Fernseher mehr Chips und andere fettige Snacks vertilgen als ihnen guttut.  

„Möglicherweise richten Personen, die sich in einer negativen Stimmung befinden, beim Ansehen emotionsgeladener Szenen ihre Aufmerksamkeit viel stärker auf den Film als gut oder neutral gelaunte Menschen“, sagt die Würzburger Wissenschaftlerin. Für „Nebensächlichkeiten“ wie die Bewertung des Fettgehalts von Nahrung sei dann keine mentale Kapazität mehr vorhanden: „Die kognitive Kontrolle über das Essverhalten versagt und man isst wie automatisch“, so Platte.  

Für Menschen mit Frustrationen oder leichten Depressionen und Gewichtsproblemen könnte das heißen, dass sie beim Ansehen von Filmen besser eine Portion Chips in ein Schälchen füllen, statt die ganze Tüte auf den Tisch zu legen. Ob für diesen Personenkreis psychologische Hilfestellungen sinnvoll sind, wollen die Würzburger Wissenschaftler als nächstes untersuchen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.06.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: idw
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