Begabte Autisten

Hochkomplizierte Rechnungen lösen, Lieder komponieren: Autismus ist eine schwere Krankheit, kann aber auch positive Seiten haben. Was dahintersteckt.

Frau blickt auf Zahlencodes © Thinkstock
(München – 28.05.2013) Der Softwarekonzern SAP will Hunderte Menschen mit Autismus zu Softwaretestern, Programmierern und Spezialisten für Datenqualitätssicherung ausbilden und einstellen. Dabei sollen die speziellen Fähigkeiten von Autisten genutzt werden.

Denn Autisten haben häufig außergewöhnliche Begabungen in bestimmten Teilbereichen wie Musik, Mathematik oder Technik – auch als Inselbegabung bezeichnet. So konnte zum Beispiel der Amerikaner Kim Peek zwei Seiten eines Buches gleichzeitig lesen – die eine mit dem linken, die andere mit dem rechten Auge – und den Inhalt danach korrekt wiedergeben. Der elfjährige Jazzpianist Matt Savage brachte sich über Nacht selbst das Klavierspielen bei. Mit sieben Jahren begann er, eigene Stücke zu komponieren.

Viele Autisten haben auch einen guten Blick für Details und arbeiten besonders genau. Diese Fähigkeiten können für IT-Unternehmen wie SAP von großem Nutzen sein, wenn es zum Beispiel darum geht, bestimmte Programme oder Produkte zu prüfen.

Probleme in der Kommunikation und dem sozialen Umgang mit Menschen

Dennoch ist eine autistische Störung eine schwerwiegende Erkrankung. Menschen mit Autismus leiden an einer Entwicklungsstörung, die ihnen Probleme im sozialen Umgang mit Menschen und in der Kommunikation bereitet. Oft können sie zum Beispiel Mimik und Gestik nicht verstehen. Autistischen Kindern fällt es schwer, mit anderen Kindern zu spielen – sie kapseln sich ab. Sie entwickeln bestimmte Verhaltensmuster, die sie ständig wiederholen. Menschen mit Autismus brauchen eine ganz bestimmte Ordnung, jegliche Veränderung erzeugt bei ihnen starke Erregung und kann sie in Panik versetzen. Deshalb ist ein geregelter Alltag für sie besonders wichtig.

Genaue Ursachen bisher nicht bekannt

Die genauen Ursachen für Autismus sind bis heute nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich sind allerdings genetische Faktoren. Wenn ein Elternteil eine autistische Störung hat, ist das Risiko für das Kind stark erhöht. Zudem erkranken bei eineiigen Zwillingspaaren meist beide Kinder. Auch neurologische und biochemische Faktoren sowie Infektionen wie Röteln in der Schwangerschaft stehen im Verdacht, bei der Entstehung autistischer Störungen eine Rolle zu spielen.

Autismus ist nicht heilbar. Es bestehen jedoch Therapiemöglichkeiten, um Menschen mit autistischen Störungen ihr Leben im sozialen Umfeld leichter zu machen. Dazu gehört zum Beispiel eine verhaltenstherapeutisch orientierte Therapie oder Logopädie, um die sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.05.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: SAP-Pressemitteilung vom 21.05.2013: SAP und Specialisterne fördern Menschen mit Autismus (http://de.news-sap.com/2013/05/21/sap-und-specialisterne-fordern-menschen-mit-autismus/)
  • autismus Deutschland e.V.: Was ist Autismus? (http://w3.autismus.de/pages/startseite/was-ist-autismus.php)
  • Neurologen & Psychiater im Netz: Autismus/Autistische Störungen (http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/npinkrankheit/show.php3?p=0&id=68&nodeid=21)
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