Starkes Geschlecht?

Ein Bericht zur Männergesundheit zeigt: Psychische Erkrankungen werden bei Männern häufig nicht diagnostiziert – zum Teil mit fatalen Folgen.

trauriger Mann © Thinkstock
(München – 17.05.2013) Männer sind stark und erlauben sich keine Schwächen: Zu diesem weitverbreiteten Klischee passen keine psychischen Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen. Und so werden seelische Leiden bei Männern stigmatisiert, tabuisiert und zu selten diagnostiziert. Das zeigt der „Männergesundheitsbericht 2013“, der von der Stiftung Männergesundheit und der DKV Deutsche Krankenversicherung AG vorgestellt wurde.

Weniger Diagnosen – mehr Suizide

Neun Prozent der Männer in Deutschland leiden unter einer diagnostizierten Depression. Bei Frauen liegt der Anteil deutlich höher. Im Kontrast dazu steht eine weitere Statistik: Männer begehen dreimal häufiger Selbstmord als Frauen. 7.600 Suizide bei Männern stehen 2.500 Suiziden bei Frauen gegenüber.

Aus diesem „Geschlechterparadoxon“ schließt die Stiftung Männergesundheit, dass die Dunkelziffer von Depressionen in der männlichen Bevölkerung deutlich höher liegen müsse. Das bestätigt auch Professor Anne Maria Möller-Leimkühler, Leiterin der Psychiatrischen Soziologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Psychische Störungen bei Männern werden unterschätzt, unterdiagnostiziert und unterbehandelt.“

Verleugnung und andere Symptome

Doch woran liegt es, dass beispielsweise Depressionen bei Männern seltener diagnostiziert werden? Hier spielen laut Möller-Leimkühler Männlichkeitsideologien und die Angst vor Stigmatisierung eine wesentliche Rolle. Psychische Erkrankungen passen nicht in das männliche Selbstbild und werden deshalb verschwiegen oder verleugnet. Die Betroffenen suchen sich keine Hilfe.

Außerdem äußert sich eine Depression bei Männern anders als bei Frauen. Während Patientinnen meist über die typischen Symptome wie Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen und Handlungsunfähigkeit klagen, neigen depressive Männer häufig eher zu Aggression, Gewaltbereitschaft oder einem erhöhten Sucht- oder Risikoverhalten. Das erschwert Ärzten die Diagnosestellung.

Handlungs- und Aufklärungsbedarf

Mit Blick auf die hohen Suizidraten bei Männern ist das fatal. Dabei können Depressionen, wenn sie einmal diagnostiziert wurden, meist gut behandelt werden. Deshalb sieht Anne Maria Möller-Leimkühler Handlungsbedarf: Das männliche Gesundheitsverhalten müsse verbessert werden, ebenso wie die Depressionsdiagnostik. Zudem sollten Informations- und Entstigmatisierungskampagnen durchgeführt werden, die auf Männer zugeschnitten sind. Bisher erreichen solche Angebote vor allem Frauen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.05.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Stiftung Männergesundheit
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