Ängste vor dem frohen Fest

Von wegen Weihnachtsvorfreude: Das frohe Fest löst bei manchen Menschen Angst und Panik aus. So können Betroffene diesen Gefühlen entgegenwirken.

Frau sitzt betrübt vor Weihnachtbaum © Thinkstock
(München – 14.12.2012) Die Adventszeit ist für viele Menschen eine Zeit der Vorfreude,erfüllt von Plätzchenduft, Kerzenlicht und festlichen Klängen. Aber nicht jeder kann diese Zeit genießen: Wer unter sozialen Ängsten oder Panikstörungen leidet, empfindet das nahende Weihnachtsfest häufig als Bedrohung. „Diese Menschen fürchten, bei festlichen Zusammenkünften die Nähe von Personen ertragen zu müssen, die sie nicht treffen möchten, oder aber sie fühlen sich einsam, gerade weil sie niemanden haben, mit dem sie zusammen sein können oder wollen“, erklärt Psychotherapeutin Doris Wolf.

Manche Menschen haben Angst, in puncto Essen, Geschenkauswahl oder Organisation des Fests zu versagen, andere wiederum bewertet oder abgelehnt zu werden, zu erröten oder zu zittern. „Jeder siebte Deutsche ist oder war schon einmal wegen einer Angststörung in Behandlung“, sagt Wolf.

Weihnachtszeit und Jahresende stimmen nachdenklich

Angst und Enttäuschung rund um das Weihnachtsfest sind um diese Jahreszeit auch häufig Thema in der Telefonseelsorge. „Die Menschen geraten um die Feiertage herum ins Nachdenken über Dinge, die sie im Alltag verdrängen, Enttäuschung und Selbstzweifel brechen leichter hervor“, sagt Ruth Belzner, Psychologin und Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür. Die Telefonseelsorger eröffnen Betroffenen dann einen Raum, in dem sie erzählen können, was sie bewegt, ohne bewertet oder gar verurteilt zu werden.

Angstzustände schränken den Alltag ein

Anders als bei manch einem „Weihnachtsgestressten“, der kokett bemerkt, dass das Adventstreiben und die damit verbundene Geschäftigkeit für ihn „ein Horror“ seien, treten Angst und ein Gefühl des Ausgeliefertseins bei Menschen mit Angststörungen besonders intensiv und häufig auf: „Die Angst vor der Angst dauert manchmal stundenlang an und belastet die Betroffenen sehr. So sehr, dass sie lieber wichtige Aktivitäten wie etwa das Einkaufen oder den Gang zu Freunden oder Bekannten vermeiden und ihr alltägliches Leben stark einschränken“, so Psychotherapeutin Doris Wolf.

Der Körper reagiert auf bestimmte Reize mit Angst

Dabei ist Angst zunächst einmal eine sinnvolle Alarmreaktion des Körpers. „Der reagiert auf bestimmte Reize heute noch genauso wie bei unseren Vorfahren, die blitzschnell vor wilden Tieren flüchten, mit feindlichen Stämmen kämpfen oder sich mucksmäuschenstill zusammenducken mussten“, erläutert Psychotherapeutin Wolf. Deshalb führt Angst dazu, dass wir schneller und tiefer atmen, dass sich unsere Muskeln anspannen und Puls und Blutdruck in die Höhe schnellen. Gleichzeitig kreisen unsere Gedanken nur noch um die Gefahr.

Der erste Schritt aus der Angst

So wie jemand Angstreaktionen erlernt, kann er sich von ihnen wieder lösen. Betroffene sollten dabei zunächst darauf achten, welche Gedanken und Befürchtungen ihrem Angstgefühl vorausgehen. Dann sollten sie sich fragen: „Ist es wirklich so, dass all dies eintreffen wird, oder übertreibe ich das Ausmaß der Gefahr? Welche Möglichkeiten habe ich, das zu verhindern?“

Angstsituationen aufsuchen

Schritt für Schritt sollten Betroffene dann die in Wirklichkeit ungefährlichen Situationen aufsuchen, die sie bisher gemieden haben, und sich dabei sagen: „Ich weiß, dass all meine körperlichen Symptome auftauchen werden. Sie sind das Ergebnis meiner Gedanken. Sie werden vorübergehen. Ich kann es ertragen, sie sind nur unangenehm.“ Dabei ist es wichtig, in der Situation zu bleiben, bis die Angst nachlässt.

Ängste loslassen – mit Entspannungstechniken

Um die Angstsituation leichter zu ertragen, ist es hilfreich, eine Entspannungstechnik wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung zu erlernen: „Angst und Entspannung können wir nicht gleichzeitig empfinden“, erklärt Psychotherapeutin Wolf. Da es aber sehr viel Energie koste, sich seiner Angst auf diese Art zu stellen, sei für manche Menschen eine therapeutische Unterstützung sehr hilfreich, so die Expertin.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.12.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
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