Marihuana kann IQ senken

Eine erste umfangreiche Studie zeigt: Langjähriger Cannabis-Konsum in der Jugend kann starke Auswirkungen auf das Denkvermögen haben.

Ein angezündeter Joint © Thinkstock
(Washington – 29.08.2012) Langjähriges Rauchen von Marihuana kann die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen. Das zeigt nun erstmals eine umfangreiche Studie mit rund 1.000 Probanden. Ein internationales Forscherteam zeichnete dafür den Intelligenzquotienten (IQ) und den Cannabis-Konsum der Testpersonen vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter auf. Beim Vergleich der Altersgruppen nahm der IQ am deutlichsten bei Jugendlichen ab, die regelmäßig das Rauschgift inhalierten. Diese Ergebnisse bestätigten frühere Annahmen, dass Cannabis vor allem im Jugendalter, wenn das Gehirn sich noch entwickle, neurotoxisch wirken könne, erklären die Wissenschaftler im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Frühere Studien wenig aussagekräftig

Cannabis ist die am meisten konsumierte illegale Droge auf der Welt. Da es nicht nur als Suchtmittel, sondern auch zu therapeutischen Zwecken diene, sei es wichtig, dessen Effekte auf den ganzen Körper zu kennen, schreiben Madeline Meier von der Duke University in Durham und ihre Kollegen. Durch frühere Studien hatte sich bereits der Verdacht erhärtet, dass jahrelanger starker Cannabis-Konsum das Denkvermögen beeinträchtigt. Die meisten dieser Studien waren jedoch wenig aussagekräftig, da sie den IQ der Probanden erst erfassten, als diese schon jahrelang Cannabis geraucht hatten, um die Ergebnisse dann mit denen gleichaltriger Nicht-Raucher zu vergleichen. So hätten die Studien nicht ausschließen können, dass die Cannabis-Konsumenten nicht schon von vornherein Voraussetzungen für einen niedrigeren IQ hatten, so die Forscher.

Rund 1.000 Probanden befragt

Die Wissenschaftler begleiteten 1.004 Neuseeländer aller sozialen Gruppen vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter. Die IQ-Tests mussten die Probanden zum ersten Mal mit sieben und zum letzten Mal mit 38 Jahren absolvieren. In der letzten Studienphase wurden auch Freunde der Probanden befragt, wie sie deren Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit einschätzen. Den Cannabis-Konsum der einzelnen Personen erfassten die Forscher mit Hilfe von regelmäßigen Interviews.

Bei Studienteilnehmern, die kein Cannabis rauchten, stieg der IQ vom Kindes- bis hin zum Erwachsenenalter leicht an. Bei jenen, die das Rauschmittel über drei oder mehr Jahre hinweg einnahmen, verschlechterten sich die geistigen Fähigkeiten nach Angaben der Forscher hingegen deutlich. Einige hätten beim letzten Test bis zu sechs IQ-Punkte weniger erlangt. Ihr IQ sank also beispielsweise von 100 auf 94.

Besonders Jugendliche zeigen Folgeschäden

Besonders stark wirkte sich Marihuana auf jene Personen aus, die bereits im Jugendalter regelmäßig Joints rauchten. Den Berichten ihrer Freunde zufolge hatten diese auch im Alltag mehr Probleme, aufmerksam zu bleiben und sich zu konzentrieren. Selbst bei Studienteilnehmern, die ihren Cannabis-Konsum nach der Jugend reduzierten oder ganz mit dem Rauchen aufhörten, seien die geistigen Fähigkeiten eingeschränkt geblieben, berichten die Wissenschaftler.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.08.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
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