Strom gegen Kopfschmerz

Eine neue Therapie bringt Menschen mit Migräne und vor allem Clusterkopfschmerz Linderung. Das Risiko der Strombehandlung ist gering.

Frau fasst sich an Kopf © Thinkstock
(München – 23.07.2012). Anfallartig und pulsierend überfällt der Migränekopfschmerz meistens Frauen und bleibt manchmal tagelang. Männer leiden dagegen eher unter einem schweren, stechenden Schmerz hinter einem Auge. Dieser Clusterkopfschmerz hält bis zu 180 Minuten an und kann bis zu achtmal pro Tag über Wochen und Monate immer wiederkommen.  

„Etwas mehr als 100.000 Deutsche leiden mehrfach täglich unter diesen schwersten, einseitigen, um das Auge lokalisierten Schmerzattacken“, erklärt Professor Andreas Straube, Kopfschmerzspezialist am Universitätsklinikum Großhadern in München und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN). In einigen Fällen sind Medikamente nicht wirksam. Helfen soll nun eine Behandlung mit Strom.

Dem Schmerz entgegenwirken

„Es gibt eine neue Therapie, bei der bis zu zwei kleine Elektroden direkt unter der Haut am Nacken eingepflanzt werden“, erläutert der Professor. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung. Die elektrischen Reize wirken dabei direkt auf den Hinterhauptsnerv, auf den sogenannten großen Okzipitalnerv. Bei mehr als 70 Prozent der Patienten mit chronischem Clusterkopfschmerz würden die Schmerzen gemindert, bei den Migräne-Patienten berichteten bis zu 40 Prozent von einer deutlichen Besserung dank der Okzipitalen Nervenstimulation (ONS).

Derzeit gibt es laut Straube sechs bis neun Zentren in Deutschland, die den Eingriff durchführen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Langfristiger Erfolg

„Es kann vier bis sechs Wochen dauern, bis der Therapieeffekt einsetzt“, sagt Straube. Schlägt die Methode an, wird den Betroffenen dauerhaft ein kleiner Stromgenerator im Fettgewebe oberhalb des Schlüsselbeins eingepflanzt, alternativ unterhalb des Rippenbogens oder in der Gesäßregion. Mittels eines Geräts in Größe einer Scheckkarte können die Patienten die Elektroden an- und ausschalten. Die meisten Stimulatoren sind laut Straube batteriebetrieben und halten drei bis fünf Jahre. „Auch noch nach fünf Jahren war ein Großteil der Clusterkopfschmerz-Patienten schmerzfrei“, so der Mediziner. Bei Migräne-Patienten stehen Langzeitstudien noch aus.

Geringes Risiko

Wie genau die ONS wirkt, ist unklar. „Wahrscheinlich unterbinden die elektrischen Reize die Weiterleitung der Schmerzsignale im Hirnstamm beziehungsweise aktivieren das hirneigene schmerzunterdrückende System", vermutet Straube. Das ONS-Verfahren ist sicher und reversibel, die Risiken sind insgesamt überschaubar. „Schlägt die Stimulation nicht an, werden die Elektroden einfach wieder entfernt. Auch mögliche Komplikationen sind nicht lebensgefährlich", meint Straube. Bis auf den kleinen Schnitt in der Haut bleibt nichts zurück.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.07.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung