Wenn Lärm krank macht

Dauerhafter Lärm gilt als Krankmacher. Doch nicht jede Lärmquelle belastet unseren Körper. Und nicht jeder Mensch reagiert gleich.

(Bochum/Berlin – 05.12.2011) Der Lärm einer stark befahrenen Straße nervt, der Rasenmäher nebenan auch. Und ein startendes Flugzeug erreicht mit bis zu 120 Dezibel die Schmerzgrenze der Ohren. Wir sind täglich den unterschiedlichsten Lärmquellen ausgesetzt. „Alle Geräusche, die uns umgeben, sind zunächst bloß physikalisch messbarer Schall, der auf unsere Ohren trifft“, erklärt Rainer Guski, Professor für Psychologie der Arbeitsgruppe für Umwelt- und Kognitionspsychologie an der Uni Bochum. Störender Lärm werde aus dem Schall, wenn er von den Betroffenen als negativ bewertet wird.

„Bohre ich zum Beispiel ein Loch in eine Wand, bewerte ich das Geräusch der Bohrmaschine eher positiv, weil es mir sagt: Aha, es funktioniert, ich komme vorwärts“, sagt Guski. Der Nachbar sieht das im Zweifel aber ganz anders. Das Lärmempfinden kann also durchaus sehr subjektiv sein.

Der Körper reagiert auf Lärm

Der Körper reagiert auf jeden Schall je nach Lautstärke unterschiedlich stark. Wer erst einmal eine Lärmquelle als negativ beurteilt hat, reagiert auf jede Wiederholung, auf jedes vorbeifahrende Auto, auf jede Bohrmaschine heftiger. „Der Puls schnellt in die Höhe, Stresshormone werden ausgeschüttet – der gesamte Kreislauf wird angekurbelt“, erklärt Psychologe Guski. Wer in seinem Alltag ständig Lärm ausgesetzt ist, kann auf Dauer krank werden. Besonders dann, wenn der Schlaf gestört wird.

Die Beeinträchtigung geschieht auf zwei Ebenen: Zum einen kann ein Geräusch subjektiv als belästigend empfunden werden. Zum anderen kann Lärm die Gesundheit auch unmerklich beeinflussen. „Ein Geräusch kann uns zum Beispiel mehrmals in der Nacht wecken, ohne dass wir es bewusst mitbekommen“, sagt Jäcker-Cüppers. Der Diplom-Ingenieur ist Lehrbeauftragter an der TU Berlin für den Bereich „Städtebaulicher Lärmschutz“ und berät das Bundesumweltministerium.

„Es klingt immer erst mal sehr beunruhigend, wenn es heißt: Lärm bedroht die Gesundheit“, sagt Guski. Es liegen unterschiedliche Studien vor, aus denen hervorgeht, dass schon bei einem dauerhaften Lärmpegel von mehr als 60 Dezibel das Risiko für einen Herzinfarkt steigen kann. Aber die Aussage „Lärm macht krank" muss nach Auffassung von Rainer Guski differenziert betrachtet werden. „Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf Lärmbelastung“, beruhigt der Psychologe. Viel Belastung bedeute also nicht unbedingt, dass die Betroffenen auch krank würden. Trotzdem kann dauerhafter Lärm die Lebens- und Wohnqualität stark beeinträchtigen.

Lärm aktiv vermeiden

Gegen Straßenlärm kann sich der Einzelne vor allem mit sogenannten passiven Lärmschutzmaßnahmen schützen. Ingenieur Jäcker-Cüppers rät: „Fenster schließen, Fenster gut isolieren und das Schlafzimmer möglichst auf die ruhigere Hausseite verlegen.“

Im Gegensatz zu Straßenlärm kann jeder Einzelne aktiv etwas zur Vermeidung von Lärm in der Nachbarschaft beitragen – mit leisen Haushaltesgeräten zum Beispiel. Bei Waschmaschinen oder Spülmaschinen ist angegeben, wie laut die Geräte sind.

Außerdem sollte man auf Schutz- und Nachtzeiten achten und nicht gerade dann zu Staubsauger und Bohrmaschine greifen. Wer an sich selbst Anzeichen feststellt, dass eine Lärmquelle zur echten gesundheitlichen Belastung geworden ist, sollte sich von einem Arzt beraten lassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.12.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: dapd
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