Schneller, besser, glücklicher

Um die Leistung zu steigern oder die Stimmung zu verbessern greifen viele Menschen zu Medikamenten. Missbrauch und Sucht sind weit verbreitet.

(Berlin – 04.11.2011) Nach offiziellen Angaben sind über 1,5 Millionen Bundesbürger von Medikamenten abhängig. Pillen gegen Angst, Schmerz, Übergewicht oder Stress, zur Steigerung der Leistungsfähigkeit oder der guten Laune werden häufig bedenkenlos eingenommen. Die Gefahren und mögliche Nebenwirkungen werden oft ausgeblendet oder sind gar nicht bekannt. Zur Aufklärung über Folgen des Medikamentenmissbrauchs haben sich Experten am Donnerstag in Berlin zu einem Symposium getroffen.

Es handelte sich um eine Initiative der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC). Themenschwerpunkte der Tagung waren drei Bereiche, in denen Medikamentenmissbrauch weit verbreitet ist oder sich besonders nachteilig auswirken kann: Straßenverkehr, Sport sowie die Bildungs- und Arbeitswelt.

1,1 Millionen von Schlafmitteln abhängig

Von Schlafmitteln abhängig sind laut dem „Jahrbuch Sucht 2011“ rund 1,1 Millionen Menschen. Hinzu kommen bis zu 400.000 Abhängige von anderen Arzneimitteln. Dabei handelt es sich vor allem um Schmerz-, Beruhigungs- und Aufputschmedikamente.

Krankenkassen befürchten zudem, dass neue Wirkstoffe zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit und des psychischen Wohlbefindens immer mehr zum „Doping am Arbeitsplatz“ verführen. Bisher greift nach Schätzungen jeder 20. Arbeitnehmer zu solchen Mitteln – insgesamt rund 800.000 Menschen.

Folgen im Verkehr

Im Verkehr können schon harmlose Medikamente gegen Erkältung gefährliche Folgen haben: Die Reaktionsfähigkeit nimmt ab, und das Unfallrisiko steigt. Geschätzt wird, dass jeder vierte Verkehrsunfall im Zusammenhang mit einer Medikamenteneinnahme steht.

Generell sind bei der Aufklärung über mögliche Folgen und Nebenwirkungen von Medikamenten immer auch die Ärzte und Apotheker gefragt. Apotheker sind gesetzlich verpflichtet, dem Arzneimittelmissbrauch entgegenzutreten. Beim Verkauf von Medikamenten, die süchtig machen können, sollen sie die Kunden über bedenkliche Wirkungen aufklären.

Gedopte Freizeitsportler

Auch im Freizeitsport wird gedopt. Weit über eine Million Menschen nehmen nach Schätzungen in Deutschland gelegentlich oder regelmäßig Dopingsubstanzen oder Medikamente zur Leistungssteigerung ein. Walter Schneeloch, Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes sagte, Medikamentenmissbrauch sei nicht allein ein Problem des Sports, sondern beträfe verschiedene Zielgruppen der Gesellschaft. Mit dem Symposium sollten möglichst viele Menschen angesprochen und für dieses Thema sensibilisiert werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.11.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: dapd
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