Die Pille, die den Magen spiegelt

Das Fraunhofer IZM entwickelt mit Partnern eine kleine Kamerapille, die eine Magenspiegelung via Endoskop teilweise ersetzen könnte. Mehr über die neue Technologie und ihre Vorteile für Patienten.

Frau mit Bauchschmerzen © iStock
(Berlin – 05.03.2020) Ein Schlauch, der über den Mund- und Rachenraum bis in die obere Magenpartie geführt wird und lange Wartezeiten, weil Fachpersonal fehlt – die Untersuchung des Magens verbinden viele Betroffene mit unangenehmen Behandlungen.

Zusammen mit zwei weiteren Partnern forscht das Fraunhofer IZM nun in dem vom BMBF geförderten Projekt nuEndo an einer vollkommen schlauchlosen Technologie für die diagnostische Magenspiegelung. Sie besteht aus einer 11 Millimeter Durchmesser großen Kamerakapsel, die der Patient schluckt und einem externen magnetischen Steuerungssystem. Die Magenspiegelung ist so für den Patienten angenehmer und senkt das Komplikationsrisiko.

Wann eine Magenspiegelung notwendig ist

Schmerzen im oberen Bauchraum, Schluckstörungen, chronischer Husten, Erbrechen oder Gewichtsverlust – diese und weitere Symptome machen eine Magenspiegelung notwendig. Um Erkrankungen des oberen Verdauungstrakts diagnostizieren zu können, wird ein flexibler Schlauch, das Endoskop, über die Speiseröhre eingeführt. Viele Betroffene scheuen diese Untersuchung und schieben sie deshalb auf die lange Bank.

Kabelloser Livestream aus dem Körper

Um zu verhindern, dass Betroffene eine Magenspiegelung meiden, arbeiten die Partner im Rahmen des nuEndo-Projekts an einer Kapsel, mit der die diagnostische Magenspiegelung mit flexiblen Endoskopen durch ein vollkommen kabelloses Verfahren ersetzt werden soll. Die schluckbare Endoskopiekapsel kann mithilfe eines externen magnetischen Führungssystems intuitiv durch den Magen geführt werden und sendet via eingebauter Sensorik ein Echtzeit-Bild des Mageninneren auf einen Monitor.

„Die Endoskopiekapsel wird vor allem durch technologische Fortschritte in drei Bereichen erst ermöglicht. Zum einen durch miniaturisierte, leistungsfähige Kamerasysteme mit wenigen Millimetern Größe, zum anderen durch neue, leitungsfähige Funktechnologien für eine Echtzeitübertragung des Kamerabildes. Der dritte Aspekt betrifft neue Sensor-Aktor-Systeme zur intuitiven Kontrolle der Kapsel im Körper.", sagt Dr. Sebastian Schostek als Verbundkoordinator von nuEndo und Vice President bei Ovesco Endoscopy AG.

Magenspiegelung beim Hausarzt

Anders als die schlauchgesteuerte Magenspiegelung kann die Kapselendoskopie vom hausärztlichen Fachpersonal durchgeführt werden. Nachdem Betroffene die Kapsel geschluckt haben, dauert es zirka 20 Sekunden, bis sie im Magen ankommt und die Untersuchung starten kann. Für einige Erkrankungen ist es nötig, anschließend dennoch eine schlauchendoskopische Untersuchung durchzuführen, da diese höher aufgelöste Bilder liefert. Mit der mobilen und kompakt angelegten Kapselendoskopie können allerdings ohne lange Wartezeiten erste Diagnosen gestellt werden. Aus dieser ersten Diagnose lässt sich dann ableiten, ob weitere Untersuchungen notwendig sind.

Die Vorteile für den Patienten

„Durch dieses nichtinvasive und schmerzfreie Verfahren wird eine diagnostische Magenspiegelung schon bei geringerem Leidensdruck für Patienten akzeptabel, da diese nur eine kleine Kapsel schlucken müssen und dann entspannt an der Untersuchung teilnehmen können. Somit bietet das nuEndo-System die Möglichkeit, viele Erkrankungen früher als bisher zu erkennen, Beschwerden effektiv zu behandeln und den Therapieverlauf besser zu überwachen.", sagt Prof. Dr. Jörg Albert, Chefarzt am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und Partner des Projektes.

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Autoren und Quellen Aktualisiert: 05.03.2020
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Fraunhofer IZM vom 11.02.2020: Livestream aus dem Körperinneren. Magnet steuert Kamerapille bei der Magenspiegelung
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